548 VIll. Begründung der Macht. habsburgifche11 gleichfalls Erwähnung finden. ,,Einstn1als ritt Graf Rudolf auf das Waidn1erk. Da begegnete er einem Priester mit dein Sterbesakran1ente, dem der Meßner das Glöckleiu vertrug. Rudolf stieg von: Pferde, um dem Sakramente seine Ehrfurcht zu beweisen. Nun floß aber quer über den Weg ein Bächlein, welches der Priester übersehrciten mnszte. Als er sich die Schuhe auszog, um das Wasser zu durchwaten, denn er hatte Eile und wollte einen Todkranken durch das Sakrament stärken, hieß ihn der Graf, sich seines Pferdes bedienen, damit er seine geistliche Pflicht desto eher erfüllen könne. Der Priester brachte dem Grafen dankend das Pferd zurück, aber Rudolf wollte es nicht wieder be: steigen, seitdem es in dem Sakramente seinen Herrn nnd Schöpfer getragen. So ließ er das Pferd dem Priester.U Bald nachher wurde dem frommen Grafen die Weissagnng zu Theil, er sei zu hohen Ehren berufen, nnd eine spätere 1ieberlieferung fügt hinzu, der Priester, welchem Rudolf jenen Dienst geleistet, sei nach1uals Kaplau bei dem Erzbischof Werner geworden und habe durch die Erzählung dieses Vorfalls dem Grafen die Sinn: pathie des hohen Kirchenfürsten gewonnen. Während Werner ans die geistlichen Kurfiirsten einwirkte, war der Burg: graf Friedrich von Nürnberg, welcher mit Rudolfs Schwester vermählt war, im Jnteresse desselben bei den weltlichen Fürsten thätig. Der Hinweis ans die Tüchtigkeit nnd den Biedersinn des Grafen war crfolgreich, auch ließen sich einige der Wahlfiirsten, insbesondere der Pfalzgraf vom Rhein, durch die Aussicht bestimmen, 1nit dem zukünftigen Könige in eine Familienverbindnng zu treten. Von Bedeutung aber war es ohne Zweifel, das; Rudolfs Machtverhiilt: nisse etwa den Wünschen und Meinungen der Kurfürsten entsprachen: sie waren mäßig, erschienen aber a11s3reichend, um als Grundlage der königlichen Stellung zu dienen. Die Habsburger gehörten zu den Grafengefchlechtern Siidtoestdeutfchlands, die sich allmählich, namentlich im 12. Jahrhundert, eine besonders angesehene Stellung errungen hatten. Ihre Sta1ntngüter lagen an den freundlichen Ufern der Aar und Reuß, beherrscht von der kleinen Beste Habsburg oder Habichtsburg, nach welcher das Geschlecht sich nannte. Durch Heirath nnd kaiserliche Gnaden erweiterte sich ihr Gebiet. Nach einander erlangten die Habssbnrger die Landgrafschaft im oberen Elsasz, den Ziirichgau, Theile von dem Besitz der Lenzburger Grafen und die Grafschaft im Aargan. Als sich dann im Jahr l232 das Geschlecht in zwei Linien theilte, erwarb Graf Albrecht, der Begründer der älteren Linie, neue Ansprüche durch seine Vermählung mit der Gräfin Helwigis von Kybnrg. Am l. Mai 12l8 gebar sie einen Sohn, Rudolf, welcher vom Kaiser Friedrich lI. aus der Taufe gehoben und von der Vorsehung bestimmt wurde, dereinst selbst das Szepter des Reiches zu führen. Von seinen Jugendjahren wissen wir wenig; im Jahr 12st1, nach dem Tode seines Vaters, finden wir ihn in Faenza bei Kaiser Friedrich Il., denn in dem großen Kampf zwischen dem Papst und den Hohenftanfen hielt das Geschlecht treulich zum Kaiser. Jn die Heimath zurückgekehrt, vermählte er sich l243 mit einer Gräfin von Hohenberg, begab sich aber bald darauf wieder an das kaiserliche Hoflager nach Verona. Wie Friedrich ll., so leistete er auch dessen Nachfolgerin, Konrad IV. und dem unglück: lichea Konradin, manchen Dienst, der nicht unbelohnt blieb. Aber freilich verfeindete er sich dadurch mit der Kirche, die ihn mit dem Banne belegte, nnd mit seinem Oheim von KlJburg, der, wie auch die jüngere Linie des Hauses Habsburg, auf seiten des Papstes stand. Obtvol im Jahr t26l eine Aussöhnung erfolgte, gelang es dem Grasen Rudolf beim Tode des letzten Kt;bnrgers nicht sogleich, das ganze Erbe in seine Hand zu bringen; denn König Richard gab es den: Grafen Peter von Savoyen. Aber der Tod befreite