396 VII. Das und der KrsUzzügE Zeitalter der Hvhenstaufen. Vollendung des begonnenen Werkes; verkünde die Leiden meines Volkes, daß ihm geholfen und die heilige Stadt von den 1lngläubigen befreit werdet Peter brach auf nnd kam glücklich nach Rom. Papst Urban II. nahm ihn mit Freuden auf, belobte ihn wegen seines gottgefälligen Vorhabens und gab ihm Briefe an die Großen der Christenheit in Frankreich mit. Jn eine mit einem dicken Seile ums schlungene MöncJskutte gekleidet, barfuß und mit einem Kruzifix in der Hand, durchzog nun Peter, bleich und abgezehrt, auf einem Esel reitend, Jtalien, begab sich von da über die Alpen nach Frankreichsund entzündete überall die Herzen seiner Zuhörer mit dem Feuer seiner gewaltigen Rede. Er las die Briese des Patriarchen von Jerusalem vor, erzählte sein himmlisches Gesicht, betete, klagte, weinte nnd gewann die Herzen Aller für den gottgefälligen Zug ins heilige Land. Wie ein Heiliger wurde er verehrt, und glücklich wurden die gepriesen, denen es vergönnt war, seine Kleidung zu berühren: ja die Haare, die man seinem grauen Esel ausris3, wurden als Heiligthümer aufbewahrt. Unterdesfen kam eine Gesandtschaft des griechischen Kaisers Alexius zum heil. Vater, die um schleuniger Hilfe aller christlichen Völker bat,sda die 1lngläubigen dem schwachen griechischen Kaiserthum mit dem Untergange drohten. Urban berief eine Kirchenversammlung nach Piacenza, die so zahlreich besucht ward, daß die Stadt die Menge der Verfamn1elten kaum faßte. Noch glänzender war der Erfolg einer zweiten Kirchenverfammluug, welme Urban zu Clermont Ein der Auvergne in FrankreichJ hielt s1095J. Der Zusluß von Fürsten und Bischöfen, Mömhen und Laien war so groß, daß alle Städte und Törfer der Ums gegend angefüllt waren und trotz der Kälte des Novembers viele unter freiem Himmel oder in Gezelten lagern mußten. Hier auf weitem Felde hielt zuerst Peter eine feurige Ansprache, dann trat der Papst auf und schilderte in begeisternder Rede die Bedrängniß der morgenländischen Kirche, die Einweihung des allerheiligsten Bodens, wie die Türken die Tempel zu Ställen umgewandelt, das heilige Grab des Erlösers durch Hunde verun: reinigen lassen, die Christen gesihändet, ge1nartert, geschlachtet hätten. Dann verkündete er den Befehl vom Himmel, die furchtbaren Gräuel zu rächen, das Heiligthuuc zu retten. Und aus aller Munde erscholl der Ruf: ,,Gott will est Gott will eslH Allen, die am frommen Unternehmen Theil nahmen, ward Vergebung der Sünden und ewiger Lohn im Himmel zugesichert. Zuerst nahte der Bischof Ademar von Pay und bat knieend um die Erlaubniß, dem heiligen Zug beiwohnen zu dürfen. Der größte Theil der anwesenden Geistlichen folgte seinem Beispiel. Alle hefteten ein rothes Kreuz auf die rechte Schulter, woher ihr Name Kreuzsahrer und die Benennung Kreuzzüge rührt. Alle, die der Versammlung beigewohnt hatten, verbreiteten die allgemeine Begeisterung in der Heintath. Jedermann sah Zeichen am Himmel, die Gottes Willen bekundeten. Steine fielen hageldicht vom Himmel, Kometen und Nordlichter erschienen; man sah eine große Stadt am Himmel. Ein feuriger Weg, heißt es, ging durch die dunkle Bläue des Himmels nach Morgen hin, und bald darauf erschien der halbe Himmel blutroth. Ein Priester wollte am Himmel ein Schwert, ein anderer ein ganzes Heer, ein dritter zwei feurige Ritter fechtend und den mit dem Kreuze siegend gesehen haben; ja es ging die Sage, Karl der Große sei von den Todten auferstanden und werde die heiligen Streiter selbst anführen. Eine damals ausbrechende Seuche, das heilige Feuer genannt, wurde schon als göttliche Strafe der Zögerung ausgelegt. Tie größte Bewegung entstand zuerst unter den niederen Vasallen und Leibeigenen. Sie sahen in dem Ausrufe zum Kreuzzuge zugleich eine Befreiung vom Drucke des Abels, und scharenweise sammelten sie sich um Peter den Einsiedler und einen Abenteurer, genannt Walther von Habenichts. Schon im Frühjahr 1096 zogen diese wilden, in den Waffen ungeübtens Haufen über den Rhein durch Deutschland. Die Deutschen, mit dem Papste in Streit und die Franzosen hasfend, nahmen bei der größeren Niichternheit ihres Sinnes an der damaligen Bei geisterung noch keinen Theil und spotteten über die Franzosen. Die meisten dieser Scharen