große VölIerwanderung. Die sie im vierten Jahrhundert n. Chr. von anderen Volksstäunnen gedrängt, und durch neue Horden ans dem öftlichen und nördlichen Asien verstärkt, ihre Wanderzüge 3:5 nach Westen hin wieder aufnah1nen. Im Jahre 375 brachen sie auf nnd warfen sich, einem Schwarm von Heuschrecken gleich, auf ihrem alles verheerenden und vor sich niederwerfenden Zug zunächst auf das Volk der Alanen, die zwischen Don 1md Wolga saßen. Die Alaneu, ein kriegerifcheiS Hirtenvolk, von edler Gestalt, dem medisch:persischen Stamme verwandt, das in einem entblös;ten in den Erdboden gesteckten Schwert den Kriegsgott verehrte und die abgezogene Haut erfchlagener Feinde als Waffenfch1nuck verwandte, mußten nach tapferm: Kampfe dem überlegenen Feinde weichen; der größte Theil schloß sieh den Siegern an und verstiirkte die vordringende Masse der asiatischen F;iirtenstämme. Eine Schar Alanen floh in die Gebirge des Kankasus3, eine andere drang bis an die Gestade der Ostsee vor, von wo sie in der Folge mit ger1uanifclJen Stännnen verbunden ins römische Reich einbrachen und in Gallien und Spanien neue Wohnsitze fanden. Dass Volk der Hunnen, von füchterlicher Wildheit und gräs;licheu1 Ansehen, erfüllte die Nachbarvölker mit Angst nnd Entsetzen. Ein gleichzeitiger Schriftsteller, A1nn1ignus3 MarcellinnsZ, liefert uns von ihnen folgende Beschreibung: Gleich nach der Geburt durchschneiden sie den KnabenKinn und Wangen, um durch die dichten Narben den Bartwuchs zu unterdrücken, so daß nie die männliche Anmuth der Jugend, nie das ehrwürdige Aussehen des Alters ihr bartlofes Angesicht ziert. Von festem igedrungenen Körperbau, mit dickem Kopfe und breiten Schultern, von häßlich braungelbem Gesicht mit kleinen, tiefliegenden, blit3enden Augen und hervorstehenden Backenknochen, gleichen sie mehr zweibeinigen Bestien oder grob zugehauenen Brückenpfeilern, als Menschen. Mit der größten Hiis;lichkeit verbinden sie eine solche Ausdauer, daß sie des Feuers nnd der feineren Nahrungsmittel ganz entbehren. Sie leben von wilden Wurzeln und dem halb: rohen Fleische aller möglichen Thiere, das sie wie einen Sattel aufs Pferd legen und durch einen Ritt etwas nciirbe machen. Nie kommen sie unter ein Dach, das sie wie ein Grab meiden; sie kennen nicht einmal Rohrhiitten. Unstet schweifen sie durch Gebirg und Wald und gewöhnen sich von Kindheit an, Kälte, Hunger und Durst zu ertragen. Jhre Kleider sind von.Leinen oder aus znsa1nmengefehten Fellen von Waldn1iiusen; dasselbe Gewand tragen sie im Hause und draußen und legen es nicht eher ab, als bis es ihnen in Fetzen vom Leibe fällt. Mit Mühen und Zottelfellen decken sie den Kopf, mit Ziegenfellen die rauhhaarigen Beine, die nnförn1lichen Schuhe hindern sie am freien Gang. Deshalb zum Fußkampse untüchtig, hängen sie wie angewachsen an ihren hiis;lichen, aber ansdauernden Pferden und verrichten auf ihnen ihre gewöhnlichen Geschäfte. Tag und Nacht sitzen sie zu Pferd, kaufen und verkaufen, essen und trinken, ja sie schlafen und träumen sogar an des Thieres Rücken gelehnt, nnd halten hier auch ihre Versammlungen und Verathungen. Ohne Königsherrschaft wählen sie in der Hast des Augenblicks ihre Führer aus der Zahl ihrer .L1äuptlinge, und stürzen sich in keilför1nigen Massen mit griis;lichem Kriegsgeschrei Auf DER Feind. Mit unglaublicher Vehendigkeit sprengen sie oft absichtlich auseinander und zerstreuen sich ordnungslos zum wüsten Morden, ohne einen Wall zu stürmen, oder ein feindliches Lager zu plündern. Aus der Ferne schleudern sie Wurfspeere und Pfeile, deren Spitzen künstlich aus scharfen Knochen gefertigt sind, im Handgen1enge brauchen sie das Schwert. Dabei fliehen sie den Feind, während er auf Hiebe achtet, plötzlich Schlingen iiberzuwerfe1I, um ihn zu verftricken und wehrlos zu machen. Ohne Anker und Felder, Ohne HDf UND Herd, ohne GeseH und Recht, schweifen sie wie Flüchtlinge mit ihren Wagen umher; Viele sind ihre Wohnungen, der Aufenthalt ihrer Weiber, wo sie die rohen Kleider weben, ehe: