Dass erste Auftreten gotischen Baustils Deutschland. 265 Aufbewahr1mg des geheijnnisvollen W1mdergefäßes, das der Sage nach zur Anfnnhn1e von Christi Herzblut gedient hatte, in der Wildnis errichtet, hat die ungewöhnliche aber bei dem gefchichtlirhen Templerorden beliebte Gestalt eines Rundbaues. Sie enthält nicht weniger als ,,zweiundsiebzig Chöre, Nach außen hin hervorgestoßen, Jeglicher Chor besondersU, eine dichterisch iibertreibeude Ausbildung des stattlichen Chorkapel1enkran;es3 der Kathedralen, 1nit ausdrücklicher HerVorhebung der gotischen Stileigenttin1lichkeit, welche jeden Bauteil in seiner selbständigen Bedeutung zeigt. Jeder Chor dient zur Aufnahme eines besonderen, nach Osten gerichteten und mit Reliquienkapseln, Seh:nucktaseln, kostbaren Bildern und reichen Ciborien aussgestatteten Altares. Drei unvergleichlich reiih geschmüekte Pforten führen in das Heiligtum, von Süden, Westen und Norden, wie es der gotische Stil allgemein feststellte, während die frühere Bauweise sich häufig mit einem westlichen Haupteingang begniigt hatte. Die kleinen und großen Gewölbe, die sich auf ehernes: Säulen und Pseilern erheben, ,,Mit Schwibbogen unterstoßen, Von vier Ecken über sich sgefcJlosscnU, werden gebildet, daß Wie Durchblick Himmelsdom freien den erscheinen: f ein andrer Stein kommt ,,Überall das Gewölbe oben Ward aus Saphir gewölbet;U dazu, ,,Nur daß Die gleich es licht besternt war mit Karfuukeln, der Sonne leuchteten.U Auch die Wirklichkeit mit ihren bescheideneren Mitteln liebte es, den Wölbungsfeldern blaue Farbe zu geben Und sie mit goldnen Sternen zu bestreiten. Die Einbildungskraft des Dichters geht noch weiter in der Ausmaluug eines naturgetreuenAbbildes des Himmels: die goldfarbene Sonne und der silberweiße Mond, aus Edelsteinen gebildet, bewegen sich durch ein künstlic1JesIs Werk am Gewölbe. ,,Wes Auge es erblickte, Des Herze ward im Jammerthale so geleitet, Daß die Gedanken gehen Hin zu dem Him1nelsthrone Und alle Ding verschmähen, Die da rauben solche Krone, Die die Armen zu den Königen setz.et.U Die mit Beryllen und Kristallen geschlossenen Fenster lassen eine solche Fülle von Licht E1k1strönie11, daß das Auge des Beschauers Schaden leiden würde, wenn nicht der Glanz ge: tn1ldert worden wäre durch buntes Bildwerk, zu welchem wieder Edelsteine den Herstellungsstoff Ufern: Saphir für Lasursteinblau, Topas für Gelb oder Goldfarbe u. s. to. Mit staunen;3: würdiger Fertigkeit wußte dass Mittelalter in der That in seinem gebrannten Glas die Farbe der Edelsteine nachzuahmen. Bei soviel Freude an Licht und Glanz kann es nur natürlich erscheinen, das; die Dunkelheit und Niedrigkeit .der Krypten den Empfindungen des Dichters und der Zeit, ans deren Anschauungen heraus er redet, entschieden widerstrebte; es klingt wie ein för1nlicher Abscheu durch die Strophe: ,,Ob sich da Grüste finden2 Nein, Gott der Herr bewahre, Daß unter Erdengriinden K Reiness Volk sich je verstohlen schare, Wie was in Grüsten sich zusannnensindetl