142 Der romanifche Stil. Rankenwerk in deren Ztvickeln. So ist der ganze Kelch mit Schmucktverk bedeckt, welches durch die geschmackvolle Abwechselung zwischen den kleinen krausenSchnörkeln der juwelen: beseHten Flächen und den breiteren vollen Formen der getriebenen Gebilde von höchstem Reiz ist LAbb. 9:3J. Die zu diesem Kelch gehörige Patene ist mit gleichem Reichtum sin entsprechender Weise geschmückt und zeigt in der Mitte das gravierte Bild des thronenden Erlösers. Kreuze und Reliquiengehäuse sollen nach Theophilus gleichfalls mit Edel: steinen, Perlen und Schmelzwerk geziert werden. Zahlreiche erhaltene Werke legen Zeugnis ab Von dem stofflichen Aufwand, der bei derartigen Gegenständen entfaltet wurde, und zugleich von den Fortschritten des Geschmacks, der durch die Kunst den Stoffwert zu überbieten suchte. Die größeren Flächen boten hier Ge: legenheit zu reichlicher Entfaltung des üppig rankenden Filigranschmuckes, in welchem namentlich die rheinischen Goldschmiede Ausgezeichnetes leisteten. Die Reliquienbehälter erhielten die mannigfaltigste Gestalt; bisweilen wurden die: selben als Büsten, Arme oder Füße gebildet, den in ihnen anfbewahrten Körper: teilen der Heiligen entsprechend. Die Bilder an den Kreuzen und Reliquienbehältern, seien sie nun aus Gold, Silber oder Kupfer, sollen getrieben und ciseliert werden; auf dieselbe Art werden nach der Vorschrift der ,,SchedulaU Messergriffe, silberne und goldne Becher und Schüsseln, Hostienbüchsen, Behälter von Wohlgerüchen und Meß: kännchen geschmückt. Bei diesen Gefäßen sollen niellierte Verzierungen mit den getriebenen abwechseln. Theophilus macht bei dieser Gelegenheit darauf auf: merksam, daß der Künstler es nicht versäumen solle, sich vorher einen ausgeführten Entwurf in Modelliermasse anzufertigen, wenn er Bilder, Tiere oder Blumen mit dem Hammer treiben wolle. Sehr ausführlich und anschaulich beschreibt er ferner zwei Weihrauchfässer, von denen das eine in Gold, Silber oder Kupfer getrieben, das andre aus Messing gegossen werden soll. Das erstere besteht in seinem Oberteil aus einer in dreifacher Abstufung aufgebauten Turn1gruppe, durch deren Fenster der Rauch seinen Ausweg findet. Dieser Teil, der Deckel, ist an den breiten unteren Tiirmchen mit Halbfiguren von Engeln, nnd in halbkreisförmigen Flächen über dem unteren Rande mit den Bildern der Evangelisten oder der lebenden Wesen, welche dieselben versinnbildlichen, geschmückt. Der Unterteil enthält in Halb: kreisen, welche sich jenen oberen anschließen, die Bilder der Paradiesesströ1ne. Außerdem ist der Unterteil in Ubereinstitn1nung mit der Rosette, in welcher die Ketten zusammenkommen, und welche den Ring zum Anfassen aufnimmt, mit Blumen, kleinen Vögeln oder Tieren verziert. Von den Ketten, deren Anfertigung besonders beschrieben wird, ist die mittelste, welche zum. Emporziehn des Deckels dient, am Knopf des oberen Ttirmchens befestigt, die vier andern an Löwen: oder Menfchenköpfen, welcheszwischen den aus den oberen und den unteren Halbkreisen gebildeten Rundfeldern derartig angebracht sind, daß die Gesichter dem Unterteil, die Haare, durch welche die Ketten durchlaufen, dem Oberteil des Rauchfasses angehören. Das Muster eines gegossenen Rauchfasses, welches beschrieben wird, ist noch viel reicher. Der obere Teil desselben besteht aus