Die Anfänge der ro1nanischeu Bauku11st. 69 Die altchristliche Basilika war nnd blieb die feststeheude GrundformVdes Kirchenbanes. Die schon auf dem Bauriß von St. Gallen ersichtliche Abänderung desselben durch die Einschiebung eines viereckigen Naumes zwischen Querschiff und Apsis, der mit letzterer zusammen deutChor bildete, wurde jetzt allgemein gebräuchlich. So erhielt der Grundriß die Gestalt eines Kreuzes. Die alt: christliche Kunst hatte die Verhältnisse der verschiedenen Teile des Grundrisses zu einander in jedem einzelnen Falle nach freiem künstlerischem Ermessen be: stimmt. Aber der verständige Sinn der Deutschen, der feste Gesetze nnd Regeln liebte, legte sich auch hierfür eine bestimmte Ordnung zurecht. Er gab dem Querschiff dieselbe Breite wie dem Mittelschiff, so daß die Durchschneidung beider eine quadratische Vierung bildete. Die gleiche qnadratische Grundform erhielten der Raum vor der Apsis und.die beiden Querfliigel; die Länge des Vorder: hauses aber wurde so bemessen, daß dasselbe Quadrat zwei:, drei: oder mehr: mal in ihr enthalten war. Die durch Bogen verbundenen Säulen oder Pfeiler, welche die Schiffe voneinander trennten, stellte man so, daß von diesen Stützen immer eine um die andre die Ecke eines solchen Qnadrats bezeichnete. Die Seitenschiffe erhielten die halbe Breite des Mittelschifses; ihre Breite war somit der Entfernung je zweier Stützen voneinander, also einer einzelnen Bogen: weite gleich. Es versteht sich von selbst, daß man an dieser regelmäßigen Anordnung des Grnndplans nicht mit nnbedingter Starrheit festhielt, sondern denselben gelegent: lich in verschiedenartiger Weise abänderte und bereicherte, bei anspruchslosen und kleinen Bauten auch wohl vereinfachte, ganz abgesehn von andern, vieleckigen oder sonst völlig abweichenden Anlagen. Der den Hauptaltar enthaltende Ehorraum an der Ostseite des Gebäudes ward meistens beträchtlich iiber den Boden der Schiffe erhöht. Denn fast nie: mais ließ man jetzt unter ihm die gewölbte Krypta fehlen, welche die Gräber heiliger oder sonst bevorzugter Personen umschloß, und in deren dämmerigem Halbdnnkel, im Wechselspiel des Kerzenscheins mit den spärlich eindringenden Strahlen des Tageslichts, die Gedächtnisfeier der Toten eine stimmungsvolle Stätte fand. Bei der meist von zwei Säulenreihen getragenen Uberwölbung der Krhpta wurde die eiufachste Gewölbegattung, das tunnelartige Tonnengewölbe, in der älteren Zeit bis: weilen angewendet. Jn der Regel aber bildeten die von der Rönterkunst überliefer1en Kreuzgewölbe, welche man sich aus Turchkreuzungen von gleichbreiten Tonnenwölbnngen hervorgegangen denken kann Lvgl. Abb. 49, obenJ, die Bedeckung des ganzen Raums, mit Ausnahn1e der auch hier vorhandenen, mit einer .S3albkuppel geschlossenen Apsis. Jn der Anordnung der Stützen des Langhauses kam nicht selten eine von dem antiken Herkommen sich gänzlich entfernende Weise zur Anwendung. Während jenes durchaus die völlige Gleichartigkeit dersz1Isammengehörigen Stiit,zen verlangte, liebte man es jetzt, Pfeiler und Säulen in einer nnd derselben Reihe miteinander abwechseln zu lassen, indem man zwischen je zwei Pfeiler, welche die Ecken, der Grundriszquadrate bezeichneten, eine oder bisweilen auch zwei Säulen stellte.