Anfänge Die Kunst. deutschen Quadersteinen aufgeführte Denkmal besteht aus zwei GescJossen, einem zehneckigen Unter: bau mit einer mächtigen Bogennische an jeder der zehn Seiten, dessen kreuzförmiger Jnnen: raum als Kapelle zur Abhaltung des Trauergottesdienstes diente, und aus einem gegen den unteren Teil etwas zurücktretenden Oberstock, der urfprüngliih von einem offenen Bogengang mit gekuppelten und einfachen Säulchen umgeben war, und dessen kreisrunder Jnnenraum den Marmorsarg enthielt. Die Kuppel ist aus einem einzigen ungeheuren Blocke istrischen Marmors gebildet, dessen Gewicht man auf 9400 Zentner berechnet hat: gewissermaßen ein Wahrzeichen der jugendlich übermütigen Kraft des Gotenvolkes, vielleicht eine Erinnerung an die Sitte der Väter, die Grabstätten hervorragender Helden durch riesige Felsblöcke auszuzeichnen; die in regelmäßigen Abständen angebrachten Henkel, welche zur Handhabung der gewaltigen Masse dienten, sind stehen gelassen und bilden einen ebenso wirkungsvo11en wie eigenartigen Schmuck. Einige Einzelheiten an Thür: einfassung nnd Gesimsen zeigen in ihren Gliederungen eine größere Lebendigkeit, als sich irgendwo anders bei Werken dieser Zeit findet; es sind dies Nebendinge, die dem Auge des oberflächlic;en Beschauers entgehen, aber sie sind hoch bedeutsam als Merkmale einer jugendsrischen Kraft, die unbewußt die Formen einer erstarrten Kunst nmgeftaltete. Völlig selbständiges Gepräge tragen die ornamentalen Einzelheiten; vorzugsweise erregt eine in verschiedenen Formen wiederkehrende Verzierung die Aufmerksamkeit, welche wie eine Reihe von aufgerichteten Zangen aussieht, das berühmte Gotenornament; am schönsten ist Frie3otnament Grabmal Thcodorichs Ravenna. dasselbe entwickelt in dem Fries unter der Kuppel, wo es nicht ununterbrochen zusammen: hängt, sondern, der Größe der sehr regelmäßigen Steine entsprechend, in symmetrische Gruppen geteilt ist und durch Schneckenro1len, wie wir sie als sehr bezeichnende Bildung in manchen aus Metalldraht hergestellten nordischen Schmucksachen finden, bereichcrt wird CAbb. 6;. Nirgendwo bietet die römische oder byzantinische Kunst ein Vorbild für diese Verzierungsform, wohl aber kommt sie ganz gleichartig vor an den in der Bibliothek zu Ravenna aufbewahrten Resten einer in der Nähe gefundenen goldenen Prachtriistung aus derselben Zeit und als Schnitzerei an einem bedeutend jüngeren norwegischen Holz: stahl Tini Museum zu ChristianiaJ, bei dem sie friei3artig unter dem Sitz herumläuft. Der Säulenumgang ist zerstört, das Grabmal zeigt sich ni6ht mehr in feiner ganzen Höhe, da der vor einigen Jahren trocken gelegtc Fußboden des Unter: geschosses infolge der allmählichen Hebung des sumpfigen Küstenlandes bedeutend tiefer liegt als das u1ngebende Erdreich. Aber noch macht das ernste und erhabene Denkmal, dessen vortrefflicher Baustoff in der Schärfe und Sauberkeit