Aestl1etisrtJe Vorfragen. 295 Fluidum entzieht, hat in den Zeiten architektonischer Blüthe die Musik zur Dürftigkeit verdammt und deren vollständige Entwicklung bis zur modernen Zeit vers tagt. Man kann daher in gewissem Sinne sagen daß, wie die Baukunst einst die Musik darniederhielt, so jetzt die Musik die Baukunst umbringt; ein Zustand der wohl so lange dauern wird bis das moderne nationale Bewußtsein als konkreter. Ausdruck der Humanität, als Religion der Bildung .ss zu jener freien Entwicklung gediehen ist die es befähigt eine Wiedergeburt der monumentalen Kunst zu bewirken. Der Baukunst also, welche,keine schon in gewisser Weise künstlerisch entwickelte Materie zu verarbeiten hat, wird die Materie selber Vorbild und Stoff; ihr ist dieselbe nicht blos Mittel zum Zweck, sondern sie stellt vielmehr das Wesen der Materie, die Erfüllung des Raums, in der synthetischen Form der Kunst dar. Sie arbeitet demnach gewissermaßen wie die Natur selber, ohne Vorbild, als unmittelbare Gestalterin des Chaos, und hat deßhalb die Verwandtschaft mit dem Naturschönen daß auch ihr die Zweckmäßigkeit zur Triebfeder wird. V1Il. Wenn aber die Schöpfungen der Natur aus innerem Lebenstriebe sich entwickeln, und die Gestals