KUNSTHANDWERK, künftlerikhes Handwerk, angewandte Kunlt, handwerkliche Kunlt all diefe Benennungen find gebräudilich für jenes lchöpferilche Gelfalten, das zwilchen dem nur technilthen Handwerk und der freien Kunft lteht. Freie Kunft ift ein Schaffen mit ltarken feelifchen Werten, unbeeinflußt von Zweckgedanken oder Auftraggebern, ein reines Erlebnis des Künlflers. Wie Viele können fich rühmen, folch äßfreie Künltlerß zu fein, nur fo fduaffen zu können? Und ilt diefe v freie Kunlfs das Hödilte? Steht eine Figur Rodins oder ein Bild Liebermanns höher als der Dom zu Straßburg, ein Werk angewandter Kunft? Der Einzelne, auf [ich allein gelfellt, und fei es der größte Künftler, kann nur Pfadfinder fein,- das ganze geiftige Wollen feiner Zeitepoche vermag er nicht auszudrücken. In künftlerilch unreifer Zeit wirkt der freie Künftler groß,- eine reife Zeit, weldue die Künlte zur Harmonie des Schaffens zu: fammenfaßt, ordnet den Künltler ein zu einem Glied im Ganzen. Sein Sdualfen rollt ins Leben, in den Kreislauf des Blutes der Nation, feine Werke werden nicht in Mufeen gezeigt wie fremde Tiere im Zoologildien Garten. Erft dann fteigt die freie Kunlf von ihrer einfamen Höhe, und alles Große und Schöne wird zur angewandten Kunft. Unterdelfen mag die freie Kunlf Hüterin des heiligen Feuers fein. Bedeutet fo ßangewandte Kunltß Einordnen der Perfönlichkeit in eine höhere Einheit, fo lteht bei dem Begriff ß) handwerklidue Kunlt s der mit dem Material ringende Künlfler, der Geftalter des Einzel: werkes vor uns. All das, was im Ganzen künftlerifd] lebt und wirkt, gehört hierher,- was gemalt, gemeißelt und gefchnitzt ilt, was in Gold und Silber gehämmert und gegoffen, in Samt und Seide geftickt und gewirkt, in Ton geformt und glafiert ilt, alles das ift handwerkliche Kunlt, foweit es künftlerifch befeelt ift. Schade, daß man heute diefen fpitzfindigen Unterfchied machen muß und nicht fchlankweg vom Handwerk reden kann. Um das zu können, müffen wir aber aus der heutigen Zerrilfenheit der Lebens: und Arbeitsanlchauungen erlt wieder zur höheren Einheit kommen. Wer handwerkliche Kunft im belten Sinne machen will, muß gleich dem freien Künltler fchaifen können. Starke fdxöpferilche Triebe mülfen ihn drängen, und in ltiller Werkftätte und ohne Zeitgedanken foll das Werk reifen können. Dann fammelt [ich tedmifche und künlflerifdue Erfahrung, immer mehr fchmiegt [ich Material und Werkzeug in den künltlerifchen Willen, und der fdmöpferilche Gedanke zwingt das Material zur Entfaltung höchlfer Reize. Wer je an der Werkbank faß und fo lchaffen konnte, weiß, was beglückende Arbeit ift. Fehlfdiläge regen nur zum Belfermachen an. Aber wie Wenigen ilt es vergönnt, fo arbeiten zu können und Nachwuchs zu erziehen, der wieder fo arbeiten kann, um von Erfahrung zu Erfahrung zu fchreitenl Es fehlt die Stetigkeit der Entwicklung, die Vererbung der Gefchidclichkeit vom Vater auf den Sohn. Es fehlt die nötige Anzahl von Auftrag: gebern, welche die Entwicklung ermöglidien könnten. Gäbe es nur fünfhundert verltändnisvolle Sammler und Befteller von deutfduer handwerklidwer Kunlt in Deutfduland, fo wäre der leider noch geringen Zahl von Tüchtiglten und der Weiterentwicklung ihres Könnens viel geholfen. Pamilienfdiätze perfönlidufter Art könnten wieder erltehen mit unmittelbaren Beziehungen zum