Die Ruder sangen im Wasser, sangen im Wasser und hielten still am Weidenufer und sangen da nicht mehr, stundenlange Und dann sangen sie wieder, bis man an den Garten kam des Hauses, in dem sie bedienstet war. Und sie sagte: „Ich werde noch horchen, bis Ihre Ruderschläge verhallen in der Nachtstille Die Möbel knackten im Winter um 3 Uhr morgens und ich lag als Kind in Todesangst, in Todesschweiß bis zum Morgengrauen: Es kommt jemand geschlichen, schlachtet mich Mama, Mama! Ich war bei der Maturitätsprüfung durchgefallen, kam aufs Land zu meinen Eltern, die zu weinen be- gannen in ihrem Zimmer. Von der Waldwiese kam aus dem Musikpavillon der Klang der Ouvertüre zu "Wilhelm Teil", von Tannenwipfelrauschen unter- brochen. Irgendwo sagte eine Kinderfrau zu einem Kinde: „Na warte, du schlimmes Mädi, ich werde es dem Gärtner sagen Eine große blaue Fliege summte herein, stieß an den weißen Plafond an. Meine Eltern weinten, Papa unhörbar, aber Mama schneuzte sich. Am Land ist keine Morgenruhe: Hähne, Enten, Gänse, Pferde, Kühe, Schweine. Und Befehle werden ausgeteilt mit Stentorstimme. Sensen werden ge- dengelt. Niemand hat Achtung vor dem Morgen- schlafe! 8 A I tauber}, Die Auswahl 113