v BAUWERKE UND BILDWERKE DER SPÄTANTIKE Kann es als sichergestellt gelten, dalä die Maßverhältnisse der hel- lenischen Formgestaltung auf geometrischer Grundlage ruhen, so darf dasselbe von vorneherein für die Formbildungen der späteren römischen Kultur als wahrscheinlich gelten. Denn es ist anzunehmen, daß diese mit den griechischen Formen auch ihre Maßverhältnisse und deren technische Grundlage übernommen hat; wenn sie nicht schon früher, vielleicht durch Vermittlung der Etrusker in deren Besitz gelangt war oder die Geometrie der Feldmesser und Baumeister überhaupt ein gemeinsames altererbtes Kulturgut darstellt. Jedenfalls konnte die geometrische Proportion an den römischen Bauwerken und Bildwerken festgestellt werden. Und zwar verwenden die römischen Baumeister, so scheint es, ursprünglich vorwiegend die Kreisachtteilung, später die Zehnteilung in gleicher Form wie die Griechen. Ein Hinweis möge hier seine Stelle finden. Nimmt man an, wie ich in der Einleitung angedeutet habe, daß die Grundsätze der geo- metrischen Proportionierung in dem Vorgang der Orientierung wur- zeln, so gewinnen die Berichte über die Grenzfestsetzung der Äcker und die Anlage des Tempels, wie sie von den Etruskern überliefert sind, besondere Bedeutung: "Das Tempelfeld der Etrusker" führt seinen Namen mutmaßlich von einem mit zäyvsev verwandten Wort, als der geschnittene Raum, d. h. der durch den Schnitt entstandene. Geschnitten wurde nämlich der Horizont durch zwei senkrecht stehende Linien in vier Teile, und diese Linien bilden die Richtungen für die Seiten des rechteckigen Tempelfeldes. Die Absteckung desselben er- folgte durch die Auguren. Sie machte einen Hauptteil der Haruspizin aus . . . . Es war ein großartiger Gedanke der alten Tusker (inzwischen analoge Feststellungen bezüglich der altmesopotamischen Kultur, A. jeden Acker durch seine Grenzen in Beziehung zu setzen auf das Universum, indem man ihm dieselbe Richtung gab, in der das Himmels- gewölbe sich über unserem Haupte dreht." " Vgl. Cantor M., Die römischen Agrimensores, Leipzig 1875, S. 65. Müller K. 0., Die Etrusker, Breslau 1828, Bd. II, S. 151 ff., Buch III, Kapitel 6, ä 11. Nissen H., Orientation, Studien zur Geschichte der Religion, Berlin 1906. Moessel, Proportion 5 65