bildung sei bei handwerklichen Arbeiten eine Seltenheit und über- haupt schwierig zu bewirken. Diese Ansicht ist sowohl durch die Befunde bei zahlreichen Anstricharbeiten im Freien und Innen- räumen, als durch die erwähnten graphischen Feststellungen für den "Fall der Wirkung des vollen Sonnenlichtes widerlegt. Beim Mohnöl mußten diese Erscheinungen naturgemäß viel stärker auftreten. Tafel 8 zeigt, daß auch hier schon im Winter starke Ver- kürzung der Trockenzeit von I2 auf 7 Tage eintritt (Kurve Ma). Darauf folgte ein noch stärkerer Absturz wie beim Leinöl, nämlich vom 7. bis I6. Tage von I50ß der Gesamtaufnahme. Das Wieder- kleben begann am 10. Tage (Punkte Im Sommer folgte dem raschen Anstieg am 4. Tage (Tafel 9) schon der Absturz der Kurve bis zum Schnitt der Abszissenachse. Am 14. Tage hatte der Ge- wichtsverlust fast 200W; erreicht. U n t e r d i e s e n a n o r m a 1 e n Umständen ist das Mohnöl also fast ganz flüchtig. Um diese starken Veränderungen der Öle im vollen Sonnenlichte näher kennen zu lernen, wurde vom Punkt der Höchstgewichtsauf- nahme an, nicht mehr alle 24 Stunden, sondern alle I2 Stunden ge- wogen. Dadurch wurde ersichtlich, daß im absteigenden Ast die Gewichtsabnahme ausnahmslos stark unstetig erfolgt. D. h., daß hier der schon von G e nth e erwähnte Einiiuß von Tag und Nacht zum stärksten Ausdruck kommt. Direktes Sonnenlicht wirkt also auf Auf- striche trocknender fetter Öle im praktischen Effekt ähnlich wie trockene Luft, aber noch viel stärker beschleunigend und außerdem molekülsplitternd. Unter diesen Umständen sind die bei Außen- arbeiten im Sommer nicht seltenen Erscheinungen des Springens und Reißens, dann des Rutschens und Laufens von Leinölfarbenaufstrichen und ausnahmsweise auch von Holzlackierungen auch ohne Annahme von Materialverfälschung erklärt. Sie stellen sich als das Ergebnis der katalytischen Natur des Trockenvorganges in der Übertreibung dar. Seine bisherige Theorie vermag diese abnormen Vorgänge nicht hinreichend zu erklären, weil sie über das Zustandekommen der Stoffverluste hierbei noch sich widersprechende Vorstellungen liefert. Bei einem T rockenvorgang, der wie jener des Mohnöles im direkten Sonnenlicht fast zum vollständigen Verdunsten infolge Oxy- dation führen kann, m ist das Extrem dessen erreicht, was nach der Zusammensetzung der fetten Öle als Glyceride und zufolge der kata- lytischen Art der Trockenvorgänge durch kombinierte Oxydation und begrenzt stufenweise Verseifung erreichbar ist. Hier also allein könnte die Theorie von Muld e r praktische Gestalt annehmen, allerdings nicht im Sinne der Anhydridbildung freigewordener Fett- säuren, weil hiezu zu viel Wasser vorhanden ist, sondern in jenem der Gefahr des Eintrittes vollständiger Verseifung. IV. DIE STOFF VERLUSTE FETTER ÖLE BEIM TROCKNEN ALS URSACHE DES SCHWINDENS DER FARBENAUFSTRICHE UND DER FRÜHSPRUNGBILDUNG. Daß beim Ranzigwerden der Fette Stoffverluste durch Abgabe flüchtiger und riechender Spaltprodukte entstehen, beweisen die Ge- rüchte ranziger Fette. Sie sind aber andersartig, als die beim Trock- trocknender Oliarbenaufstriche auf Ölbildern, S. 49. 132