456 UNTERLAUTER. Coburg. 302 versehene Decke mit einer reizend gewesenen Stuckirung in zartem Relief (die wieder hergestellt werden soll). In Mischung von Motiven des Regentschaftsstils und des Roccoco sind an den Ecken Schnörkel und Blätter modellirt, nach der Mitte zu Bandwerke und Verschlingungen ähnlich den damaligen kalligraphischen Zügen, in der Mitte Umrahmungen eines (leeren) ovalen Mittelfeldes. Zwei Ge- schosse Emporen ruhen unten auf dorischen, oben auf ionischen Säulen und haben vertäfelte Brüstungen. An der Ostseite läuft eine entsprechende, etwas ausgebogene Empore entlang und zeigt in der Unteransicht Musikinstrumente, an der Brüstung in der Mitte oben Engelsköpfchen in Wolken, auch diese von köstlicher Bildung. Unter ihnen tritt an der Brüstung die Kanzel vor; auf glockenförmigem Unter- theil ist sie im Grundriss rechteckig mit Abschrägung der vorderen Kanten, im Aufriss im oberen Theil ausgebogen vortretend, an den Flächen mit einigen Band- ranken, Blumenkelchen und Ornamenten geziert. Alles in der Kirche ist seit dem Anstrich von 1789 weiss mit Vergoldungen an Säulencapitellen, Brüstungen und anderen Gliedern. An den Langseiten befinden sich je fünf, an der Westseite drei flachbogige Fenster mit Ohren, Fascien und vortretendem Schlussstein. Unter dem inittelsten Fenster jeder Seite eine Thür, der östlichen Sacristeithür gleich. Die Westthür hat einen consolförmigen Schlussstein und ist noch eingefasst von ionischen Pilastern n1it verkröpftem Gebälk und einem Flachbogen-Giebel, darin der Namenszug des Herzogs und das Rautenkranz-Wappen in Palmzweigen unter der Krone. Ueber der Nord- und Süd-Thür sind Tafeln mit langen lateinischen Inschriften eingemauert; die erstere giebt den Bau 1741-1743 unter den Herzögen Christian Ernst und Franz Josias zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit genau an. letztere die Einweihung 1744 in Gegenwart von Herzog Franz Josias und seiner Familie, dem Generalsuperintendenten H. W. Fratzscher, Superintenclenten J. Fr. Mayer, Pfarrer A. Th. Berger, Schulmeistern Müller und Immler und Kirchenvor- stehern Braerlein und Schneider. Aussen ist die Kirche gequadert, hat ein gutes Sockelgesims mit Wulst, an den Ecken des Langhauses dorische Pilaster mit einer Triglyphe im Stück Gebälk darüber. Der Thurmbau wird von Pilasterstreifen eingefasst; über der Sacristei hat er ein 1. Obergeschoss mit Fenstern an der Nord- und Süd-Seite, wie die Sacristei, dann über einem Gesims ein 2. Obergeschoss mit ebensolchen Fenstern, über einem Gesims ein achteckiges Geschoss mit Pilaster-Einfassungen und mit rundbogigen, mit vortretenden Kampfersteinen versehenen Fenstern an den vier Hauptseiten, darauf über einem Gesims eine achteckige Zwiebelkuppe. Bau- zeichnungen im Pfarrarchiv. Die Kirche wurde zuletzt im Jahre 1898 im Innern erneuert. Gruner I, S. 190. 192. Koch, sowie Lindn er, Ansicht. im Rathhaus zu Coburg. Ruder, Pfarrei Unterlauter, S. 11 f., mit den vollständigen Inschriften S. 18 und 19. Lehnstuhl, eigenthülnlich, gewöhnlich für einen Beichtstuhl gehalten, weil zu Seiten des Sitzes rechts und links Bretter sich herausziehen lassen und weil er im Alter wohl noch auf die Zeit des 16. Jahrhunderts, vor Abschaffung der katholischen Gebräuche zurückgehen könnte. Allein der Stuhl ist im Uebrigen ein gewöhnlicher Lehnstuhl, offen, entgegen den Anordnungen zur nothweudigen Wahrung des Beichtgeheimnisses, und seine Seitenbretter sind zu hoch und nicht standfest genug als Stützen für Menschen; sie können eher zum Hinstellen von