Königsberg. KÖNIGSBERG F131 Stadtbefestigxlng. 147 und eine äussere Befestigungslinie der inneren vorgelegt. Diese bestand aus einem mit Pallisaden versehenen Wall, begann an der Bastei, umging die Juden- gärten und die Hassfurter Vorstadt, umfasste Augustinerkloster und Friedhof. An das obere Ende des Todsgrabens wurde ein weiter östlich greifendes Stück angefügt, so dass nun auch das jetzige Amthaus einbezogen wurde, oberhalb dessen am jetzigen Bierkeller eine Mauer mit starkem Thurm wieder zum Schlosse emporlief. Diese äussere Mauer hatte das Hassfurterthor, Gockel- thor, Rebthor und Oentthor. Im inneren Ringe waren ausser dem er- wähnten Fallthor, Schneckenthor und oberem Schlossthor die Lauerpf orte südlich und das Todsthürmchen östlich. Zwischen Rebthor und Schneckenthor wurden noch zwei Abschnitts-Thors eingeschaltet, deren oberes später als Schiitzenhof diente, dann als Krankenhaus benutzt ward, während das 1514 ausserhalb des Kaulbergleins erbaute Thor im dreissigjährigen Kriege wieder eingegangen ist. Um 1664 wurde die Befestigung wieder hergestellt. 1764 wurde sie aufgegeben; die Gräben wurden zugeschüttet. So weit die Angaben dieses gründlichen Kenners Königsbergs, die auf lang- jährigen Untersuchungen, zum Theil natürlich nur auf Rückschlüssen bestehen. Ich möchte ihnen hinzufügen, dass mir, wie bei so vielen, ähnlich angebauten Städten Thüringens, z. B. Kahla, und Frankens, ursprünglich die Ortsbefestigung und Burgbefestigung getrennt gewesen zu sein scheinen und erst etwa im 16. Jahr- hundert durch eine gemeinsame Befestigung unter Beseitigung der trennenden Zwischenmauern vereinigt wurden. Ohne die Solgerschen Forschungs-Ergebnisse und Schlüsse würde die Annahme nahe liegen, dass die Stadtbefestigung durch feste Mauern unabhängig von der Burg zunächst nur die westliche Hälfte der Stadt einnahm, also der östliche Abschluss der Stadt im Zuge der Pfarrgasse und in der gleichen Richtung nach dem jetzigen Uni-Inder Thor zu lief. Diese ummauerte Stadt wurde dann, wie meist der Fall war, von zwei sich kreuzenden Hauptstrecken: ostwestlich der Wintergasse, Mittelgasse und dem letzten Stück der Mariengasse, nordsüdlich von dem Braugässchen, der Triftgasse und der Manggasse in annähernd fortlaufenden Richtungen mitten durchschnitten, sowie am östlichen Ende mit einem Oberthor, am westlichen mit einem Unterthor geöffnet, vielleicht auch im Norden mit einem Thor. So war es etwa im 14. Jahrhundert (1333. 1358). Dann ist eine Erweiterung östlich (nach der Richtung der Burg zu), welche nach meiner Ansicht von dem südlichen Ende der Pfarrgasse in ungefahrem Bogen sich den Strassenzügen des Fuchsweges (Fuchsloches) und der Sauergasse anschliessend nach Norden an der Stelle des jetzigen Unfinder Thores die bestehende Nordmauer traf. Dies etwa im 15. Jahrhundert (nach 1394). An der Stelle, Wo Sauergasse und Schlossgasse zusammentreden, dürfte das ursprüngliche Schloss- thor oder Oberthor gelegen ha.ben. Weiter östlich hinaus lag dann wohl ur- sprünglich das Aussenthor des Obernthores, welches dann wohl zum Obernthore selber wurde; zwei Pfeiler desselben aus den Zeiten eines späteren Baues stehen am Rongeschen Grundstück. Bei den Bauten des Herzogs Johann Ernst von-Sachsen-Coburg am Schloss um die Mitte des 16. Jahrhunderts dürften Schlossbefestigung und Stadtbefestigung nach einem grossartigeren Plane, als bisher, zusammengezogen worden sein; man sieht, wie dies rein äusserlich geschah. Aus der verhältnissmässig späteren Zeit