Ranbglosscn Zllf Kunst Der Gegenwart. enn der Kunstfreund heute die Kunstausstellungen be- sucht, oder diejenigen illustrierten Zeitschriften durch- stöbert, zu deren Programm es gehört, ihre Leser in puncto Kunst auf dem Laufendenzu erhalten, so beschleicht ihn ein Gefühl des Unbefriedigtseins. Ich spreche da vom Kunst- freund im allgemeineren Sinne, von dem gebildeten Menschen, der sich sein Urteil nicht nach der ölfentlichen Kritik, sondem nach der Wirkung bildet, die ein Gemälde auf ihn ausübt Die sogenannten Kenner, die Kunstentusiasten, Mäcene und Maler- dilettanten, oder gar die Künstler selbst, kommen hier nicht in Frage, da die letzteren alle mit anderen Empfindungen die mo- demen Kunstwerke betrachten. Woher nun das Gefühl des Unbefriedigtseins? Daher, daß es in der Fülle des Gebotenen so wenig gibt, was nach Vorwurf und Ausführung in dem Beschauer Freude erweckt. Der innerliche Wunsch eines jeden Künstlers ist es und muß ms sein, wenn er mit Leib und Seele emporstrebt, Werke zu schaffen, die ihn volkstümlich machen, Werke die sich auf den_ ersten Blick dem Kunstfreund einprägen und sein Herz gewinnen. Dazu gehört wenig und viel! Wenig im Bezug auf den Vorwurf, denn das einfachste Motiv genügt, um unser höchstes Interesse zu erwecken, wenn es lebenswahr und liebenswürdig dargestellt ist. Viel gehört aber zu dieser wirklich lebenswahren Darstellung. Die Wiedergabe des Vorganges in natürlicher Treue verlangt einen Künstler von Gottesgnaden, der nicht allein die Situation in der Wirklichkeit festzuhalten, sondem auch die Ausführung der Details bis ins Kleinste hinein der Wirklichkeit entsprechend durchzuarbeiten versteht.