94 Psychologie Die künstlerischen des Genießens. zudeutenf") An anderen Stellen tritt noch deutlicher hervor, daß dieser Autor der Farbe auch vor der Form den entschie- denen Vorrang gibt. Und leicht kann ein Gang durch eine moderne Gemäldeaustellung belehren, wie das Bestreben vieler neuerer Maler dahingeht, nicht nur die Bedeutung, sondern auch den klaren Umriß der Dinge ganz auszuschalten und alles in Farbe aufzulösen. Freilich ist den extremsten Vertretern dieser Richtung leicht entgegenzuhalten, daß es dann ein Widerspruch gegen ihre eigene Theorie ist, überhaupt noch Gegenständliches zu -malen, statt einfach Teppichmuster und ein förmlich formloses Farbengewoge. Wird eine Bedeutung gegeben, diese aber ganz als Nebensache und etwas Äußerliches behandelt, so ist das eigentlich eine Inkonsequenz und stört logischerweise die Ein- heit des Bildes. Auch würden sich doch die meisten dieser Maler sträuben, ihr Bild etwa umgekehrt, so daß oben und unten vertauscht sind, aufzuhängen, obwohl nach ihrer Theorie ja nur das Verhältnis und die Beziehungen der Farben in Be- tracht kommen, die ja bei einem umgekehrt gehängten Bilde bleiben würden. Doch sind solche Extreme nicht der ganzen Bewegung zum Vorwurf zu machen, und eine stärkere, ja eine über- wiegende Betonung der F arbenwerte hat uns gar manches schöne Kunstwerk beschert, das nicht nur für den speziüsch visuellen Typus von Reiz ist. Natürlich tritt auch in anderen Künsten als der Malerei dieser Typus hervor, und besonders in Bildnerei und Baukunst spürt man seine Wirkungen. Es ist dieser Typus, der auch in diesen Künsten Farbe verlangt und tatsächlich sind farbige Wirkungen in der Skulptur der Gegenwart etwas sehr Häufiges. Ich erinnere nur an Klingers Statuen, die zum Teil mit direkt malerischen Wirkungen arbeiten. Ebenso ist in der Baukunst größere F arbenfreudigkeit eingezogen, und intensive Buntheit kennzeichnet die Baukunst der Gegenwart, wie sie- etwa von Darmstadt aus stilbildend zu wirken suchte. Auch Meier- S. 34. 1) heiten. Fall Der Böcklin und Lehre von die Ein- den