Schönheit Anspruch machen, ist ein Fehler, den die neuere Kunst bei ihrer sklavischen Nachahmung des Modells leider nicht immer vermeidet. Es gibt eben bei uns eine grosse Menge hübscher und blühender Mädchen, welche diese Linie zeigen, und das verleitet die Künstler, sie nach- zuahmen. Sie kann, wo sie nicht durch das Alter bedingt wird oder durch eine Verzerrung des Gesichtes zum Lachen (sie wird auch als grosse Lachfalte bezeichnet), abhängen vom Hervorragen der Backenknochen, von einer zu grossen Breite der oberen Zahnreihe, gemessen von den vorderen Backenziihnen der einen Seite zu den gleichnamigen der anderen, oder davon, dass die oberen Zähne in der Weise schief gestellt sind, dass ihre Kronen nach vorne und nach aussen, ihre Wurzeln nach hinten und nach innen weisen. Diese Momente können einzeln oder vereinigt Wirken, und ausser ihnen kommt auch noch die Beschaffen- heit der Weichtheile, die mangelhafte Straffheit der Haut und die Vertheilung des Fettes in Betracht. Eine geringe Breite des Gaumens, von den Backen- zähnen der einen Seite zu denen der anderen gemessen, bildet in noch anderer Hinsicht ein wesentliches Moment für die Schönheit eines Kopfes. Sie bedingt und ist natür- lich bedingt durch einen nicht zu breiten Unterkiefer, bei dem es möglich Wird, dass er sich vom Halse nicht durch eine Terrasse absetzt, sondern dass auch ohne sehr reich- liches Fettpolster des letzteren die Wangenfläche zwischen Ohr und Mundwinkel continuierlich in den seitlichen Theil der OberHäche des Halses übergeht. Noch auffallender als an den meisten Antiken ist die geringe Spannweite der Zahnreihen an dem, dem Michel Angele zugeschriebenen sterbenden Adonis, der sich in Florenz im Bargello befindet. Der Mund, welcher dem Bildhauer als Modell für ideale Schönheit dienen soll, muss die charakteristischen Bewegungen, wie man sie an den Antiken sieht, deutlich zeigen und die Grenze zwischen der Haut und dem rothen