Zweiundzwanzigstes Buch. schlossen. Von ihm gehen Strahlen der Erleuchtung aus, welche die Häupter der sechs Heiligen, aber auch dasjenige des Thomas treffen. Rechts von Thomas steht Aristoteles, links Plato, beide durch Inschriften bezeichnet: es ist klar, dass jenem die erste Stelle gebührt. Aristoteles zeigt dem Doctor Angelicus seine ,Ethica', Plato den ,Ti1naeus'; auch von jedem dieser Bücher geht ein Strahl des Lichtes nach dem mächtigen Haupte des Englischen Lehrers. Zu dessen Füssen windet sich der besiegte Weise des Heidenthuins und der Häresie, der durch seine maurische Tracht als Averrhoes bezeichnet ist. Vasari spricht ausserdem von Sabellius und Arius, von denen das Bild in seinem gegenwärtigen Zustande nichts aufweist. Zur Rechten und Linken des grossen Ketzers sieht man die Versammlung der Gläubigen, unter denen Urban VI porträtirt sein soll (Vasari), und zahlreiche Dominicaner. Diese fromme Versammlung ist von den Strahlen der Erkenntniss beleuchtet, welche von den Büchern des hl. Thomas ausgehen. Vasari nennt diese Composition eine ,linvenzi0nc capricciosa ehe ä molto lauclataÄ Schwerlich hat er damit au ,eine ausgeklügelte Scholastik' gedacht, wie Hettner (S. 108) meint, der schon in dieses Bild allerlei hineingedeutet hat, wo Demjenigen, welcher mit den An- schauungen der Zeit und der Theologie bekannt ist, nichts Geheimnissvolles zu suchen ist. In S. Maria Novella hatte schon Stefano Fiorentino (geb. ca. 1301, gest. um 1350?) ein Bild des hl. Thomas von Aquin in Halbfigur gemalt. Vasari (l 449) weiss von einem Crucifixbild zu berichten, welches jetzt noch, sehr verdorben, über der zu dem grossen Kreuzgang führenden Thüre des Chiostro verde steht und Thomas von Aquin und Dominicus neben sich hat. Aussor- dem aber findet sich in der Lunette über der jetzt vermauerten Eingangs- thüre zu der ehemaligen Kapelle des hl. Thomas hinter der von dem Souterrain zu dem ältesten Kreuzgang führenden Thüre ein Bild des Englischen Lehrers, gleichfalls in Halbfigur; er hält in der Rechten eine Feder, in der Linken ein offenes Buch mit dem ,Verbum caro prmem vermn verbo carnrwz efficit" be- kanntlich ein Vers aus dem Hymnus des Heiligen auf das heilige Altars- sacrament ,Pange lingual. Die Beziehung ergibt sich von selbst, und nur Demjenigen, der den Hymnus des Doctor Angelicus nicht kennt, konnte ein- fallen, hier von ,sehr weit ausgeführter und spitzfindig ausgeklügelter Symbolik' zu sprechen 1. Die Die an der Vorderseite des Klosterhofes von S. Maria Novella angelegte Sjläimijfhe Spanische Kapelle (Cappella degli Spagnuoli), der ehemalige, 1506 R130 e. unter Cosimo I den in der Stadt ansässigen Spaniern eingeräumte Kapitelsaal, bietet in ihren Wand- und Deckengemälden indessen weitaus das Bedeutendste, was der Predigerorden zur Verherrlichung der ihm seiner Auffassung nach von der Providenz zugewiesenen Aufgabe und seines glorreichsten Gelehrten jemals geschaffen hat. Die Dominicaner, seit 1216 in Florenz angesiedelt, übernahmen 1221 die alte damals noch ausser der Ringmauer gelegene Kirche S. Maria tra le Vigne und unternahmen zwischen 1244-1256 einen Umbau derselben, welchem der von Fra Ristoro und Fra Sisto entworfene Vcrgrösserungsplan mit der am 18. October 1378 als Versöhnungsfest zwischen Guelfen und Ghibellinen ge- feierten Grundsteinlegung folgte. Erst 1357 vollendete Jacopo Talenti diesen Bau, der 1420 durch Papst Martin V auf dem Rückwege vom Constanzer HETTNER Studien (Braunsch w 1879)