Buch. Einundzwanzigstes und selbst hinter S. Peter, hinter den Malereien Duccio's und Fra Angelicds ebensoweit zurück, als die eleganten Epigramme Maffeo Barberinis und Sauna- zaro's hinter dem ,Dies irac" oder dem ,Stabat mater" zurückbleiben, ebenso- weit, wie die ,Devotion aisee' hinter der Nachfolge Christi zurücksteht. Einwirkung Ueber die Einwirkung der Kirche auf die Renaissance ist Vieles ge- schrieben worden; fast Niemand dagegen hat die Frage gründlich angefasst kirchliche und erörtert, welchen Einiiuss denn die Renaissance auf die Kirche, auf deren Lebe" Theologie, auf den Betrieb der kirchlichen Wissenschaft geübt hat. Darüber kann ja kein Zweifel sein, dass die humanistische Bewegung für die kirchen- historische Kritik (durch und seit Lorenzo Valla), für die biblische Einleitungs- Wissenschaft (seit Santes Pagnini) die ersten Grundlagen gelegt hat. Insgleichen kann nicht bestritten werden, dass die Drucklegung der kirchlichen Quellen- schriften durch die Humanisten erst die Entstehung der gesammten historischen Theologie ermöglicht hat. Bibelkritik und Patristik gibt es erst seit jenen Tagen. Aber auch die systematische Theologie blieb nicht ohne starke Be- einflussung durch die neue Bewegung. Sehen wir von Cortese und den Theologen des ausgehenden 15. wie des beginnenden 16. Jahrhunderts ab, so stehen Erasmus und Reuchlin auch als Leuchten eines theologischen Wissens da, welches von dem Humanismus total durchtränkt ist. Der grosse Erneuerer der theologischen Methode im 16. Jahrhundert, Melchior Cano (gest. 1560), hat in seinen ,Loci theologici" die Nothwendigkeit einer patristischen Funda- mentirung der Dogmatik vorgelegt, an welche ohne das Werk der Humanisten nicht hätte gedacht werden können. Aber auch die theologische Speculation ward in ihrem innersten Heiligthum von dem freiern Zuge ergriffen, welchen die Renaissance der Menschheit zugebracht hatte. Es muss hier den Theologen überlassen bleiben, zu beurteilen, 0b mit dem Molinismus eine rationalistische Tendenz in die Gnadenlehre hineingebracht wurde: sicher ist, dass die stärkere Dielmma- Betonung der menschlichen Willensfreiheit ganz im Sinne der Renaissance war und auf die Wegräumung dessen hinausging, was man mit Recht oder Unrecht in dem augustinisch-thomistischen Gnadenbegriff als eine Ver- kümmerung der menschlichen Freiheit ansah. Man mag die ßcientia media" und mit ihr das gesammte System des Molinismus und Congruismus verwerfen, aber man kann doch nicht leugnen, dass wie einst Duns Scotus so auch die Jesuiten des 16. und 17. Jahrhunderts in ihrem Kampfe gegen den stricten Thomismus ein wissenschaftliches Interesse vertraten. Von viel grösserer Be- deutung noch war für die gesammte Cultur- und Geistesgeschichte der Mensch- heit, dass das humanistische Gymnasium, wie es Johannes Sturm in Strassburg begründet hatte, durch Claudias Aquavivas ,Ratio studiorum' (1584) für den Unterricht der Gesellschaft Jesu die Grundlage gab. Die Begründung des gesammten höhern Schulwesens auf die classischen Studien ist jedenfalls das bedeutsamste, wichtigste und heilsamste Erbe, was uns von der Renaissance geblieben ist. Man mag und darf den Sieg des Latinismus über die nordischen Baustile beklagen, man mag das Zurückweichen des germanischen Rechts vor dem römischen und das Aufkommen des antiken Casarismus im Hinblick auf die bürgerlichen Freiheiten der nordischen Nationen für ein unermessliches Unheil halten sicher ist, dass die classische Bildung in einer Zeit, wo die Einheit der Kirche zerfiel, der abendländischen Welt ein Schutzdach und ein Mittel geistiger Vereinigung geworden ist, ohne Welches wir in die Barbarei zurück- gefallen und den Faden verloren hätten, welcher die Gegenwart mit der Cultur der Antike und zugleich mit den Anfängen des Christenthums verbindet.