169 legen, dann würde man für diese Art der Gestaltung zunächst unter den Coniferae ein Vorbild suchen müssen, doch sämmt- liche Nadelhölzer wachsen pyramidal und enden oder gipfeln in einer Spitze ; somit widersprechen Aufbau und Endigung dieser Zapfenbäume derAnlage des assyrischen heiligen Baumes. Nicht mit Unrecht würde man auch die Frage aufwerfen dürfen, wo- her die Assyrer dies Nadelholzmotiv genommen haben sollten, „denn zum Batimwtiehs", sagt Herodot, l) „hat es durchaus keinen Trieb; keinen Feigenbaum, keinen Weinstock, keinen Oelbaum trägt es." Im Gegensatze zu dem nicht zutreffenden Coniferen-Motiv findet dagegen der assyrische heilige Baum in der Kohlpflanze, und zwar in jenen mit geschlossenen Blättern, sein Analogon. Man denke sich nur den derben, kraftstrotzen- den, der Weiterentwickelung sichtlich fähigen Krautstamm(caulis), gewöhnlich botanisch wohl nicht ganz eorrect Strunk genannt, auseinandergezogen, aufgeschossen, und den oberen 'l'heil des geschlossen gebliebenen Kohlkopfes durch einen Ver- tikal-Axendtirchschnitt halbirt, dann entspricht die Form ganz dem festen, gedrungenen Aufbau wie der oberen Endigung des assyrischen heiligen Baumes. Doch nicht allein das Hauptmotixiy sondern auch für jene, den heiligen Baum umrahmenden Pal- mettchen finden wir innerhalb derselben Pflanzengattung, im sogenannten Bosenkohl, deren leicht erkennbares Vorbild wieder. Die sich beim ägyptischen Palmettenbaum findenden Zuthaten, wie die Aufsetzung eines Lotosbüschels, der ebendort aus tiefer liegenden Gründen unentbehrliehg) scheint, langiren in keiner Weise die gegebene Grundform, denn die sich abwechselnd ein- mal nach aussen, das andere Mal nach innen wendenden, sich aus dem durchgehenden Stamme entwickelnden, symmetrisch angeordneten volutenartigen Ornamente, bilden, um mitBiegl zu sprechen, beim phönikischen Palmettenbaum nicht etwa „inein- andergeschachtelte Bliithen", sondern etwas unverstanden ge- schmückte Wiederholungen jener auch am assyrischen und ägyp- tischen heiligen Baume vorkommenden Elemente. Die bei den Assyrern horizontal auslaufenden Ornamente erheben sich bei dem ägyptischen Palmettenbaum abwechselnd zu einem Winkel von 65-750; dies ist der einzige Unterschied. Hier wieder- holt sich in der ornamentalen Kunst, was Kaufen oben von der L? Herodot, I, 193. 9) Man sehe Diodor B, I, C. 10, wo der Lotos als Nalnwlllg der ersten Menschen Erwähnung findet; ferner cbcntlort C. 3-1, wo er berichtet, dass man Späterhin daraus Brod bereitet; weiterhin Sehe MM! B- I, Abschn. 2. C. 43.