29 sich auch des Gewebes Zeichnung, welches der Maler, der friedlichen Heimstätte entlehnend, mit Stift und Pinsel auf den unverwüstlichen Stuck der Grabkalnmer Wände ver- ewigend übertrug, um so den Eindruck eines mit Teppichen bekleideten Gemaches, wie es im Oriente jederzeit ge- bräuchlich War, hervorzubringen. Daneben sehen Wir die Wände der Todtemvohnung zumeist mit Scenen fröhlicher Tage geschmückt, die durch horizontal- und vertikal dahin- laufende Kolumnen mit Hieroglyphcnsehritt ihre lineare Ergänzung und Erklärung finden. Die Webekunst Wcbekunst gewiss die älteste von allen Künsten legt uns wie "Ijfl Farben- die Malerei die Frage nach dem erforderlichen Farben- lnatcrial, und die weitere nach den jeweil benutzten Binde- mittcln nahe. Diese Fragen sind eben hier von um so grössercr Wichtigkeit, als die Aegypter auf diesem Ge- biete überraschende Blahigkeiten verrathen. So schreibt Pliniusl) denselben die Kunst zu, scheinbar einfarbige Stoffe in Flüssigkeiten zu tauchen und sie mit Mustern versehen herauszuziehen; ein Verfahren, das schon früh bekannt gewesen sein soll. (Durch ähnliche technische Processc sollen auch die Töpfer Figuren und Muster her- vorgebracht haben) Vergleichen wir hiermit die uns in überschwenglichen Ausdrücken gerühmte Textilindustrie Alexandrieds unter den Ptolomäern wie auch noch unter römischer Herrschaft, und erfahren, dass man, abgesehen von jenem durch Schönheit und Dauer bestimmten Werthe, kunstreiehe Gemäldestickereien und farben- wie {iguren- reiche Borden in Gobelinmanier dort auszuführen ver- Standenß) dann setzt die so weit vorgesehrittene Nadel- lhalcrei und Webekunst eine in gleichem Tempo fort- gesehrittene Farbenfabrikation und Farbekiinst voraus. 1) Plin. Hist. nat. lib. XXXV, C. 42. 2) WVas die von Canonieus Dr. Fr. Bock in Aegypten gesammelten, aus Gräbern stammexirlen Stotfreste bestätigen. Des Weiteren mag hier eine Bemerkung Ebers (Aegypten B. 1. S. 6.) Platz Bilden, er sagt: "Der YViencr Kaufherr Th. Graf hat vor zwei Jahren (1884) einen grißchiselx-röinisehen Friedhof entdeckt und freigelegt, in dem die Leichen, welche hier vom Ende des vierten bis in's siebente Jahrhundert Chr. beigesetzt worden sind, in ihren Prachtgexxiiiiidern bestattet lagen. Männer, Frauen- und besonders zahlreiche Kinderleichen sind Yen dem genannten Herrn zu Tage gefördert werden, und die Kleider, in denen man sie in die Erde gesenkt hatte, und welche gegenwärtig 311 YVien konservirt werden, lehren, eine wie hohe Entwickelung die rßXtilindilstrie schon in jenen friihen Tagen erreicht hatte".