Schoreel , Jan 509 dessen kunstliebende Freunde, und ward mit reichen Geschenken, mit Lob und Ehren von allen Seiten überhäuft. Doch wurde ihm auch ein Lohn in dem Herzen der Tochter des Hauses. SchoreePs Liebenswürdigkeit, sein angenehmes Aeussere, sein gebildeter Geist machten auf das Fräulein einen zu tiefen und lebhaftenEindi-uek, als dass ihr Vater lange darüber hätte im Dunkeln bleiben können, und der hochherzige Mann ehrte die Kunst und den Künstler, den er selbst liebte, zu sehr, um hier Bang. Geburt und Vermögen zu berechnen. Er selbst bot daher dem jungen Maler die Hand der Tochter, um die, wie er wohl wusste, des Jiinglings Beschei- denheit ihm nie erlauben wiirde zu werben. Doch das rosige Bild der Tochter des Jacob Cornelis lebte noch immer in dem treuen Gemüth, und so blieb Schoreelen nichts übrig, als das gast- freie Schloss zu verlassen und von neuem den Wanderstab zu er- greifen. Mit dem vollen Bewustsein, noch nicht das zu seyn, was er zu werden Kraft und Muth in sich fühlte, lenkte er seine Schritte immer weiter von der Heimath ab, wo, wie er holfte, der süsseste Lohn indessen für ihn heranblühte. Fr zog nach Vene- dig. Hier fesselte ihn vor allen die Bekanntschaft eines sehr un- terrichteten und lsunstverstiindigen Landsmannes, eines Iiloster- bruders, der da auf mehrere Pilger wartete, die von dort aus mit ihm sich zu einer Wallfahrt nach Jerusalem einschilTen wollten. Dieser frommen Gesellschaft schloss sich auch Schorel an, ging mit ihnen unter Segel, und hatte so günstige Fahrt, dass er selbst auf dem Schiffe der gewohnten Uebung seiner Kunst nicht ent- sagen durfte. Er malte während der Reise mehrere seiner Beglei- ter, und zeichnete alle ihm vorkommenden merkwürdigen Gegen- stände sehr sauber und treu in ein kleines Buch, welches er zu diesem Behufe stets bei sich führte. Auch auf den Inseln Candia und (Zypern machte er Studien nach der Natur, und sammelte so unschätzbaren Vorrath für künftige Arbeiten in seinem Vaterlande. Endlich gelangte cr nach Jerusalem, wo ihm sein frommer Freund in dem Pater Guardian des Klosters Sion eine eben so nützliche als angenehme Bekanntschaft zulührte; denn dieser nahm ihn nicht nur freundlich auf, sondern lud ihn auch zur Begleitung auf seiner Berufsreise durch die Umgebung von Jerusalem ein. Er zeichnete auch hier vieles nach" der Natur, besonders die Ufer des Jordans, eine Zeichnung, die er später in den Niederlanden zu einer Darstellung des Durehganges der Israeliten durch diesen Strom benutzte. Auch zeichnete er Ansichten der Stadt Jerusalem von verschiedenen Seiten. das heil. Grab, und alle merkwürdigen Stellen jener dem heiligsten Andenken geweihten Gegenden. Nach seiner Heimkehr ins Vaterland benutzte Schoreel späterhin alle diese Studien zu herrlichen Landschaften, welche, besonders für seine Zeitgenossen, das Interesse seiner vielen Darstellungen aus der Geschichte des neuen Testaments ungemein erhöhten. Der Pater Guardian hatte Schorel während seines Aufenthaltes in Jeru- salem so lieb geivonnen, dass er ihn nur ungern von sich lassen Wollte. und drang ihm noch beim Abschiede das Versprechen ab, während derReise ein Blld für sein liloster zu malen. Schoreel hielt Wort, und malte auf dem Schiffe den Apostel Thomas, wie er zwcifelnd die Seitenwunde des Heilands berührt. Es iwar im Jahre 1520 und Schoreel 23 Jahre alt, da er aus dem heil. Lande zurückkchrte, und kam nach einer sehr glücklichen Reise endlich wieder in Venedig an. Seine erste Sorge war hier das Bild, das er auf dem Schiffe gemalt, zurück nach Jerusalem ahzusenden. E; langte wohlbehalten an und erhielt einen selir_ehrelivullen Platz an der durch die Geburt des lleilandcs gclteillgten Stätte,