Sand (Sanzio) 1 Rafael- 371 theilen zwei Apostel Almosen aus. Im Sockel siehtman den Einzug des Cardinal Gin. de' Medici in Florenz und die Anrede des Gonfaloniere Ridolii an das Florentiner Volk dargestellt. In der Verzierung zwischen diesen Darstel- lungen liest man die obigen Worte. In der einen Seite der Tapete ist eine Arabeshe eingewoben, in welcher die theologischen Tugenden angebracht sind. Der in Hampton-Court aufbewahrte Carton ist nach Passavant von ausserordentlich kräftiger Haltung und in der VVirkung trotz mancher Beschädigung so gross, als sei er eben jetzt erst ans den Händen des Meisters ge- kommen- Sicher hat Rafael viele Köpfe selbst ausge- gefiilirt. Zeichnung und Farbe sind gut, doch hat letz- tere mehr Tiefe und lilarheit, so dass Passavant glaubt, F. Penni habe das Nleiste angelegt und der Meister es vollendet. Der Carton ist einer der schönsten in der Sammlung, hat aber hier und da gelitten, und ist beim Zusammensetzen an der Figur des Jacobus etwas zusam- mengeschoben worden. Longhena erwähnt einer vermeintlichen Originalzeich- nung im Cabinet des H. Romualdo Bnfera in Fa- briano, allein Passavant fand, dass dies nichts anders als der Holzschnitt des Hugo da Carpi sei. Auch die Bisterzeichnung des Cabinet Praun ist zweifelhaft. Den Frauen und Münnerkopf, in schwarzer Iireide gezeich- net und colorirt, und im Cabinete zu Paris vorhanden. hält Passavant nach dem Carton gefertiget, sowie acht aqnarellirte [Köpfe der Apostel im Besitze des Hofme- dailleurs Böhm in Wien. Früher hatte sie der GratFi-ies, der dafür eine Leibrente von 500 G. gab. Da ist auch der Originalentwurf" zur Anrede RidolfPe, doch ein Werk Penni's, wie Passavant glaubt. VI. Die Bekehrung des Saulus. Dieser, vom Pferde zur Erde estiirzt, blickt aufwärts nach Christus, der von drei ängelknaben umgeben ihm erscheint. Seine Be- gleiter eilen im Schrecken davon, und ein Diener bün- diget das Pferd des Gefallenen. Im Sockel ist die Ver- folgung der Christen durch Saulus dargestellt, worin P. S. Bartoli, der diese Darstellung gestochen hat, das durch die spanischen Truppen im Jahre 1521 nach der "Einnahme von Prato angerichtete Blutbad erkennt, und wie die Häupter der Verschwornen gegen dierMetlici zu Flo- renz hingerichtet werden. Den Carton besass der Cardinal Dom. Griniani in Vencklig, wo ihn 1521 der anonyme Reisende des Mo- relli sah, und in dem eigenhändigen Verzeichnisse sei- ner Kunstwerke von 1521 bemerkt der Cardinal, dass der Carton colorirt sei. In S. Severino bei Fabriano ist in der Kirche St. Ma- ria dei Lumi eine Copie in Fresco. '11. Elymas mit Blindheit geschlagen. Der Proconsul. auf: einer erhöhten 'l'ribune sitzend, sieht erstaunt. wie 311i den Ausspruch des heil. Paulus der Zauberer erblindet- Auch die übrigen Zuschauer wertlei) vom Ereignissebe- wegt. Von dieser Tapete ist nur noch die obere lliiltte vorhanden; auch von der rechten Pilastervcrziernng sieht man nur noch eine weibliche bekleidete Figur 31611311 el- ner Statue in der Nische. 24