Rubens , Peter Paul. 531 Bedenken, ihn , wo es darauf ankommt, die momentanen Aeusser- ungen eines auf die gewaltsamste Weise bewegten Lebens auszu- driiehen, die nur in der Phantasie ausgebildet und festgehalten wer- den können. für den grüssten unter allen neuern Malern zu halten, was ihm aber nicht immer zugestanden wird. Durch seine Studien mit der römischen Geschichte vertraut, und für die eigenthiimliche Grüsse dieses Volkes höchst empfäng- lich, musste er. darauf Bezug habende Gegenstände mit besonderer Begeisterung behandeln. Das Vorzüglichste aus diesem Iireise sind sieben in der fürstlich Lichtenslemschen Gallerie zu Wien befindliche Gemälde, welche in einer Beihefulge Momente aus der Geschichte des Decius Nlus darstellen. Die Charaktere darin sind so ernst und grossartig. die Handlung vkon solcher Energie, die Färbung hiemit in Uebereinstimmung so tief und glühend, dass diese Bilder uns das Wesen altriimisclier Heldentugeml auf eine würdige und imposante Art vor Augen fiilirin. Hieher gehören auch zwölf früher in der Orleans'schen Gallerie befindliche Bilder aus der Geschichte des Constaxitin, vun denen mehrere ebenfalls grusse Vorzüge darlegen, so wie der Raub der Sabinerinxien. Unter den Gegenständen aus der heiligen Schrift mussten sei- ner Geistesart der Sturz der gefallenen Engel, der Sturz der Ver- dammten , das jüngste Gericht, am meisten zusagen. Auch hat er dieselben mehrmals-n, wenn gleich nicht immer mit demselben Er- folg behandelt. Besonders ausgezeichnet ist der grosse Engelsturz in der k. Pinakothek zu München. Die Kühnheit in den Motiven des herabstiirzenden Drachen und der TI-ufelsgestalten, der Aus- drucli ihrer uhntniichtigen Wuth ist ergreifend. Dabei ist. die Zeich- nung sorgfältiger als in den meisten Bildern von Rubens; trotz des Durcheinanderstiirzens setzt sich alles deutlich auseinander und wacht eine erstaunliche Gesammtwirkung. Dagegen ist (ler Sturz der Verdammten ebendaselbst bei der v0rtredlichsten Malerei und vielen ungemein geistreichen Motiven doch zu iiberreich an Ein- zelheiten , hie und da in den Linien zu störend, um einen wohl- thiitigen ßesamnitcindruels zu machen. Desto glänzender beurkun- det sich das Genie von Rubens in dem sogenannten kleinenjiing- sten Gerichte zu München. Sehr glücklich und mit hvhetl Wich- tigem Gefühle hat er sich hier mit den Beseligten in einer Ecke im Elintergrunde abgefunden. und für seine Sphäre, den Sturz der Verdammten, den ganzen übrigen Raum verwandt. Während die Teufel die Verworfenen in den Abgrund ziehen, schleudert der Engel von oben den Blitz auf sie. 'I'rotz dem Gewirr der Stür- zenden, bei denen die kühnsten Verliiirzungen, die verschieden- artigsten Stellungen gewagt und gelungen sind, unterscheidet man doch bestimmt die einzelnen Gruppen und macht das Ganze, durch die Art. wie das Licht in grossen Massen gehalten ist, eine treff. liche Wirkung. In der Färbung ist es kräftig, aber gemässigt, die Behßndlung ist höchst leicht und geistreich." Das so viel be- sprochene grusse-jiingste Gericht, früher in Dusseldorf, jetzt in München, scheint Waagen und anderen Iiunstfreunden den grus- sen liuf, welchen es lange Zeit genossen hat, keineswegs zu ver- dienen. Denn abgesehen von der theatralischen Geberde des Chri- stus hat bei den Beseligten'die Auferstehung des Fleisches in den dicken Körpern, im Verhältniss zu dem unbedeutenden Ausdruck der Gesichter über die des Geistes ein gar zu starkes Ußfjefgß- Wicht, und wie sehr solche Massen geeignet sind herahzusturzens so wenig überzeugen sie den Beschauer, dass sie im Stande sind empor zu schweben. Aber selbst die Seite der Verdammten "finde? 34x: