572 Poussin , Caspar. men so tief empfunden, so glücklich zusammengestellt worden seyn, als in dieser Ferne und in diesem Mittelgrunde, deren Wir- kung noch durch eine warme, von Wolhenschatten unterbrochene Beleuchtung erhöht wird. Im Vorgrunde sieht man Abraham , der seinen Sohn Isaak zum Opfer führt. Dieses aus dem Pallast Co- lonna stammende Bild rechtfertigt den grossen Ruf, den es schon dort genossen. Es ist 5 F. 5 Z. hoch und 6 F. 6 Z. breit. Dass kein anderer Künstler Ansichten aus der Ümgegend von Rom mit einem so edlen Geschmack, mit so feinem Gefühl für das Maler- ische in der Wahl der Standpunkte dargestellt habe, beweisen zwei Gegenstüclce aus dem PallasteCorsini, gegenwärtig in der National-Gallerie. Das eine stellt, Aricia, das andere den Weg mit immergrünen Eichen am See von Albano vor, beide sehr fleis- sig gemalt, und noch von ungewöhnlicher Frische der Farbe. In der Gallerie des Herzogs von Devonshire ist ein Bild, welches durch das Hochpoetische des Naturgefühls, die Schönheit der Li- nien, die Wärme der Beleuchtung am Horizont, die fleissige Aus- führung und die grosse Klarheit in allen Theilen nicht allein zu den schönsten Werken dieses Meisters gehört, sondern zu den schönsten, welche es überhaupt gibt. Es ist dies eine Aussicht auf schön bewachsene Berge, welche sich am Meere hinziehen, gegen welches sich im Mittelgrunde auch Gebäude absetzen, und im Vorgrunde sieht man eine Jagd, das Ganze in länglicher Form. Dann sind in dieser Gallerie auch vier kleine runde Bilder, da- runter eine Ansicht von Tivoli. In der Sammlung zu Chiswick sind Landschaften von mittlerer Grösse, doch in allen Beziehungen trefflich. Lord Farnborough in London besitzt eine grosse Landschaft von länglicher Form. welche zu den Hauptbildern des Meisters gehört. Sie stellt eine weite Aussicht auf ein reich bewachsenes Gebirge von den edelsten Formen vor, worin das erhaben poetische Gefühl des Poussin sich mit einer seltenen Klarheit und Frische der Farbe und einer sehr fleissigen Ausführung vereinigt. In der Bridgewater-Gallerie, welche dem Lord Egerton gehört, ehedem Staiford-Gallerie genannt, ist das Bild eines gewaltigen Sturms in einer poetischen Landschaft mit herrlichem Waldgebir- ge, ein meisterliches Gemälde aus der Gallerie Colonna, von grosser Klarheit in allen Theilen. Eine Ansicht einer gebirgigen Gegend in der Nähe von Tivoli hat stark nachgedunkelt, von sel- tener Delicatesse der Ausführung, sanfter kühler Beleuchtung und grosser Klarheit in allen Theilen, ist aber ein drittes Bild dieser Sammlung, eine kleinere Landschaft von einem Flosse durchschnit- ten. Das würdige Gegenstück ist ein reich bewachscnes Thal von reich bewachsenen Hügeln umschlossen. ln der Grosvenor-Gallerie ist eine Landschaft, welche mit den edelsten Linien eine zart-warme Beleuchtung und eine seltene Lebhaftigkeit und Klarheit der Farbe verbindet. Ein zweites Bild eine Ansicht von Tivoli, ist von besonderer Frische des Tons. Sir Thomas Baring hat drei schöne Bilder _von ansehnlicher Grösse. Eine im Ton sehr klare poetische Landschaft mit Archi- tektur. Eine reich bewaldete, herrliche Berggegend mit Morgen- beleuchtuug zeigt die Scene, wie Thisbe den entseelten Piramus findet. Das dritte Bild ist eine melancholische Waldgegend mit stillem dunklen Wasser, in seinem edelsten Geschmaclte, doch schon etwas nachgedunkelt. In der Bildersammlung zu Corshamhouse ist eine schöne liand-