Pinturicchio , Bernardino. 331 In der Sakristei des Domes befand sich zu Orsinfs Zeit eine Madonna mit dem Iiinde, und in St. Bernardino eine Madonna mit St. Hieronymus und Bernardin. Bekannter sind seine Arbeiten in Siena, da dieselben im Leben liathePs schon vielfach besprochen worden sind, nämlich die Bil- der der Dombibliothek. Im Leben Pinturicchids saitbvasari, dass Rafael alle Zeichnungen dazu gefertiget habe, im eben Rafa'el's schreibt er diesem a er nur einige Zeichnungen und Cartons zu. Die italienischen Schriftsteller wflichten fast alle der ersteren An- gabe bei, indem sie die sämmtlichen Werke als Iiafaelische Com- positiunen betrachtet wünschen. Dagegen spricht aber der Um- stand, dass man in mehreren nichts von der natürlichen Anmuth und Freiheit erkennt, durch welche Rafael den Pinturiechio so weit übertraf. Dass Rafael einige Zeichnungen gemachtrhabe, ist unläugbar, denn es sind noch zwei derselben übrig, die eine in der Gallerie der Uffizi zu Florenz. die andere im Hause Baldeschi zu Pcrugia, beide braun mit Sepiagetuscht, und kaum noch be- lnerklich mit Weissi gehöht. Die erste dieser Zeichnungen ist der Entwurfzu dem von Vasari zuerst beschriebenen Bilde, welches den Cardinal Capranica vorstellt, wie er sich in Begleitung des Aeneas Piccolomiixi zum Concilium vonBasel begibt, und Welches nach Lanzi, Bottari u. a. von Rafael selbst gemalt seyn soll, was aber von Runmhr verneint, indem das Gemälde das Geistreiche der Zeichnung bei weitem nichtwiedergibt. Die zweite, zu Peru- gia befindliche Zeichnung, stellt das 5.te Bild. die erste Begegnung Iiaiser Friederich III. mit seiner Braut am Thore von Siena dar. Diese Umgebung, sogar die Säule, welche zum Andenken an jene Begebenheit errichtet worden wvar, sieht man im Gemälde ange- bracht, so wie auch Bildnisse sienesisch-er Personen, vvasdAlles in der Zeichnung fehlt. Hieraus schliesst Rumohr, dass Rafael diese Zeichnung gar nicht in Siena gefertiget, und hält es für ganz un- wahrscheinlich, dass er Cartons zu den Gemälden gemacht, oder vollends an ihrer Ausführung selbst geholfen habe. Diehäusfiih- rung der Gemälde, und wohl auch grösstentheils der Entwurf der Zeichnungen, gebt daher auf Rechnung des Pinturicchio, der sich dabei verschiedener Jungen und Gesellen bediente, wie Vasari be- hauptet. Das ganze Werk wurde in 10 Bilder abgetheilt. Den Inhalt des ersten Bildes haben wir oben bezeichnet, _im zweiten sieht man, wie das Conciliurn den Aeneas Piccolominl zu vielen Gesaudtschaften aussendet, im dritten, wie er als Legat des Gegen- papstes Felix zu Kaiser Friederich III. kommt, itn_ vierten Bilde, wie Friederich ihn zu Papst Engen IV. schickt, bei Wßlßbßrß-(jels- genheit er zum Erzbischof: von Siena erhoben wurde. dasfunfte haben wir oben genannt, im sechsten geht Aeneas als Gesandter des Kaisers zu Papst Calixtus IlI., im siebenten Gemäldel sieht man ihn zum Papste Pius II. erhoben, im achte" begibt B! Sich zum Concilium nach Mantua, im neunten ist dessen Heililgspre- chung d" hßil- Catharina von Siena dargestellt, 11ml ißrzehnten Gemälde sein unerwarteter Tod zu Ancona. Im Vofdlirßrunde des neunten Bildes zeigt -ma-n einen Jüngling, im 511111611 Mantel und rollten Beinklttttlern a]; Bildnis; ßafaeps; die Figur neben ihm, in Roth und Grun gekleidet, soll Pinturicchio seyn. Beide halten Iierzen in den Händen, aber nur die des Pinturicchio istßnßß- zündet. In den Feldern der Decke {sind heidnische Gegenstände inAi-abesken auf rothem und sehwarzetn Grunde. angebracht. -Ein weiteres Gemälde über der Thiire derBibliotbek, erst nach dem Tode Pius II. ausgeführt, stellt die Krönung Pius III; dar, mit einer Menge von Bxldnisien und der Unterschrift; 4