.330 Pintuücchio , Bernardino. eine ununterbrochene Reihe von Jahren daselbst verweilt habe, ist unbekannt. Der Künstler war auch in andern Gegenden Ita- liens, denn- Vasari sagt, dass er in ganz Italien unzählige Werke vollfiihrt habe, die er aber mit Stillschweigen übergeht, weil sie ihm nicht vorzüglich schienen. Er nennt nur die Himmelfahrt Marid in der Gapelle des Paolo 'l'olosa in Monte Oliveto zu Ne- apel. Dieses Gemälde ist noch wohl erhalten, und es wird mit Recht "als eines der besten Werke Pinturicchids angesehen. Auf dem Mittelbilde sieht man die erwähnte Darstellung, auf dem rech- ten Flügel StfSebastian. eine schöne nackte Figur , und auf dem linken einenuheil. Bischof. Auch im! Dome zu Orviete malte Bernardo. Dell-a Valle theilt in_ der Geschichte des Domes ein iBreve Papst Alexanders VI. mit, woraus erhellet, dass die Olivetaner den heil. Vater gebeten hatten, ihnen "den Pinturicchio m schicken, damit derselbe die am Ge- wölbe der Domliapelle, St. Brizio von Fra Giovanxii da Fiesole he- gonnene Geniiilzle vollendeß Pinturiccliio folgte auch dem Rufe, zog sich aber, den Unwillen der Olivetaner durch die Verschwen- dung zu, die er mit Azur-blau und Wein trieb. Von letzterem bewilligte, man ihin quantum libebat, aber für die vielen Pfunde Ultramarin fehlte es an Geld. Orsini behauptet, der Künstler habe dort die vier Iiirchenlchrer in der grossen Tribune gemalt. In Perugia vollendete Pinturicchio nach Vasari's Behauptung nur wenige Dinge, der Biograph nennt aber kein einziges, Mo- relli aber führt in St. Maria degli Angeli, gewöhnlich St. Maria de' Fossi genannt, das Bild des Eiauptaltares an: auf dem Mittel- Bilde die YMpdonna zwischen St. Augustinus und St, Hieronymus, auf den Eliigeln eine Verkündigung, ein todter Christus als Gie- belbild, und eine figurenreiche Predella. Dieses Bild wurde nach Mariotti 1495 um H0 Flur. bei ihm bestellt. Es befindet sich jetzt in der Akademie zu Perugia, und obwohl etwas retuuchirt, so er- kliirt es von Ilumohr als eines derjenigen Werbe, in welchem sich Pinturicchiifs Verwandtschaft mit dem Gefühle des Nieculo Alunno am meisten hund gibt. Die Predella wurde später durch eine neuere ersetzt, von der iiltern sind aber wahrscheinlich die beiden Stücke, welche Dr. Waagen (Iiunst und Künstler etc.) beim Lord Dudley in London sah. Das eine stellt die Taufe des heil. Augustin durch St. Ambros dar, das andere den Heiligen lehrend, beide von ans rechenden Motiven. Im Waisenhause von 'St.Anna' zu Perugia befindet sich in einer Lunette über der Thiirc des Befectoriums eine Madonna mit dem Iiinde und zwei" Sem- phim , in Fresco gemalt. Vasari übergeht auch die Malereien im Dome zu Spello, wo er .in der sogenannten schönen Capelle an den Wänden die Ver- kündigung, das Priisepe und Christus als zehnjährigen Knaben im Tem el_, und im Gewölbe die vier Sihyllcn malte. Im Bilde des Knaben Jesu brachte er sein eigenes Portrait an, bezeichnete das Werk: Bernardinus Pictoricus Pcrusinus MCCCCCI. Vgl. Gayä zur Uebersetzung des Vitsari, Iiunstblatt 1357, No.. 84. Lanzl hält sie für die beste Arbeit des Meisters, B. von Bumohr bemerht aber darin schon Abnahme des Anlhßlls an der Idee seiner Aufg?" ben und Unvermögen. die Umrisse der grossgehaltenen Figuren ganz auszufüllen. Noch auffallender findet er aber diese Abnahme m einer Altartafel der Kirche St. Andrea desselben Städtchens. auf welcher Pinturiechio die Madonna mit dem Iiinde und mehfe" Heilige dargestellt hat, wahrscheinlich 1503, du auf einem Briefe. welchen der Maler anbrachte, diese Jahrzahl steht.