Naher , Michael. Neher , Bernhard. 173 {Erlernten auf dem Wege der Naturnachbildung gelangen kön- ne. Er wendete sich jetzt zunächst der Bildnissmalerei zu, worin ihm hinsichtlich der Behandlung der Farben der Hofnialer M. Iilotz ziveckniiissigen Unterricht ertheilte. Die Maler A. und D. Quaglin, sowie J. Klotz, hatten ebenfalls Einfluss auf seine Bildung, aber Neher hatte noch immer keinen bestimmten Plan gefasst, er wollte Bildniss-, Historien-, Landschafts- und Architekturmaler, Alles zugleich seyn. Zu seinem weitern Fortkommen war ihm endlich die Portraitmalerei verliülflich. Ein Freund versah ihn zu diesem Behufe mit Empfehlungen nach Trient," und die Bildnisse, die er dort malte, fanden solchen Beifall, dass ihm reichliche Mittel flos- sen, Italien zu besuchen. Neher zeigte durch seine Bildnisse, dass er eine vorzügliche Gabe zur Auffassung charakteristischer Eigen- thümlichkeiten und alles Zufälligen in der Natur besitze, und diese Anlage bildete er auf seinen Reisen in Italien durch scharfe Beob- achtung nur noch mehr aus. Neher besuchte während eines Zeit- raums von sechs Jahren die Hauptstädte Oberitaliens, und 1823 sah er auch Rom und Neapel. Er studirte hier mit Eifer die Werke der klassischen Vorzeit, er wendete sich aber jetzt fast ganz dem Genrefache zu, welches er in Bom zu grossen Ehren und Aufnahme brachte. Er durchwanderte auch die malerischen Um- gebungen der beiden erwähnten Städte, und bei dieser Gelegen- heit fertigte er mit der Feder äusserst nette Ansichten mit passen- der Stadage. Im Jahre 1825 kehrte Neher wieder nach München zurück, wo er jetzt durch seine Werke grosses Aufsehen erregte, denn dieselben reihen sich den besten damaliger Zeit an. In Ita- lien malte er eine Almosenspende, das treßliclie Bild eines Gion- cataro, eine Mutter mit dem Säugling an der Brust unter der Ar- cade des Hauses, und auf diese Bilder folgten in München eine lieihe anderer, Costümstiicke, Landschaften, Märkte, öffentliche Plätze und architektonische Ansichten verschiedener Art. Im Lo- kale des liunstvereins zu München fand man häufig Gelegenheit, sich von seiner Productivität zu überzeugen, doch auch nach Lon- don, Berlin. Dresden und Stuttgart kamen Werke von ihm. Dann ist Neher einer derjenigen liünstler, welche zur malerischen Aus- schmückung des romantischen Schlosses Hohenschwangau beitru- gen, in welchem Kronprinz Maximilian so schöne Erinnerungen an das Mittelalter hervorrief, Neher malte die Bilder des Saales des Schwanenritters nach Rubcn's Couipositionen. Die Bilder dieses Künstlers sind einfach in der Anordnung] von grosser Wahrheit der Darstellung, und auf das glücklichste moti- virt. Die Zeichnung ist cnrrel-it, das Colorit frisch, aber naturge- treu, immer von erforderlicher Klarheit und Uebereinstimmung der Töne. Dann ist Neher auch Meister in der Perspektive, und den technischen Theil hat er nicht minder vollkommen in seiner Ge- walt. Sein Vortrag ist sicher, breit, aber sorgsam in allen Thei- len. Seine Bilder sind bis ins Einzelne sauber gearbeitet. Naher, Bernhard, Historienmaler, wurde 1806 zu Bibernch gebo- ren, und von seinem Vater in den Anfaugsgriinden der Klingt un- terrichtet. Hierauf begab er sich nach Stuttgart, um die Kunst- anstalten jener Stadt zur weiteren Ausbildung zu benutzen, end- lich aber ging er nach München, wo damals für die Kunst ein neues Leben erwachte. Cornelius ward durch den Hroxiprinzßll Ludwig nach München berufen, Dr. Schorn hatte seine Vorlesun- gßll begonnen, und mancherlei waren die Ursachen, welche zum Aufblühen der neuen Nlünchner Schule beitragen. Naher führte