Lysippus. 145 die Blüthezeit des Künstlers. Seine Lebenszeit dehnen O. Müller, Sillig n. a. bis Ol. 114 aus, und schon Ol. 103 war er thätig. Da- mals, ohngcfiilir 20 Jahre alt, fertigte er die Statue des Troilus, wie Paiisanias benachrichtet, u. Ol- 114 11106519 91' im die 70 Jahre alt gewesen seyn. Während nach Müller, Archäologie S. 125, die ersten der neuen Schule ven Athen, Skopas, Praxiteles, Leochares, iininer noch den Geist des Phidias, nur in seiner Verwandlung, in sich tragen und daher vorzugsweise ein inneres geistiges Leben in Göttern oder andern mythischen Gestalten auszudrücken bemüht waren, so setz- ten dagegen besonders Eiiphranor und Lysippos die Schule des P0- lyklet, die Argivisch-Sikyonisohe, fort, deren Augenmerk immer mehr die körperliche Wohlgestalt-und die Darstellung athlethischer und hgrgigchcf Iiraft gewesen war. Unter den Hcroen wurde von Lysippus der Herakles- Charakter auf eine neue Weise ausgebildet, und das mächtige Gebäude seiner durch Miilie und Anstrengung ausgearbeiteten Glieder zu dem Umfange aufgethüruit, dem die llunst. der späteren Bildner allzeit iiaclistrebte. Ueber das in der höchsten Potenz in Herakles ausgeprägte Heroeu-Ideal, s. Müller l. c. ä. 410. Lysippische Herkulesstatuen sind: 1) Der bei grosser Unterneh- lnung momentan rastende Herkules, Farnesische Colossalstatue, in den 'l'herineii des Caracalla gefunden, unter welchem Baiser die Statue wahrscheinlich nach Rom kam, wo sie von Glycon nach- gebildet wurde, wie die Inschrift einer schlechten Copie beweist, Palazzo 'del Cacsarc IV. 18- , wie Gerhard (NeapePs Bildwerkc) dar- zuthun sucht. Abb. s.Malfei llacc. 49; PiranesiStatue 11; Nlnsco Borbon. III. 25, 24. Die Hand mit den Aepfcln des farnesischen Uolosses ist neu; die ächten Beine sind 178? an die Stelle der von G. della Porta gekommen. Eine ganz ähnliche Statue beschreibt Libanios; auch kommt die Figur sonst viel in Statuen, Geinmen und auf Münzen vor. Den Iiopf dieser Statue übertrifft nach Mül- ler, aus dessen Archäologie diese Angaben über Lysippische Werke entnommen sind, vielleicht jener der Marbles of the Brit. Museum 1- 11 an ergreifendem Ausdruck. b) Der nach vollbrachten Arbeiten ruhende Herakles, Coluss zu Tarent, durch Fabius Max. nach dein Capitol, später nach Byzanz gebracht, von Nikctas de statuis Coiistnnt. V. 12, Ed. Wilken, beschrieben. Er sass, sorgenvoll gebeugt, auf einem Iiorbe (in Bezug auf Augeas Stallreinigung), Worüber die Löwenhaut lag, und stützte den inken Ariii auf das gebogene Iinic, der rechte lag auf dem herabhiingenden rechten Beine. Offenbar ist dieses die aufGemmen so häufige Figur. c) Der Vuii Eros Macht nicdergebeugte, seiner Waden beraubte Herakles, nach Müller wahrscheinlich erhalten in einer der vorigen ähnlich_ gebildeten Figur auf Genimen. d) Ein kleiner bronzener Herakles, den Statius und Martial beschreiben, von der grossartigsten Bil- dung und heiterm Ausdrucke, wie beim Götteriiiahl, auf einem mit der Lüwenhaut bedeckten Steine sitzend, in der rechten Hand den Becher, die Linke an der Keule ausruhend. Dieses ist nach Heyllß offenbar das Vorbild zum Torso. Die Athletenbilder nahmen zu Lysippus Zeit die Künstler nicht mehr so wie früher in Anspruch, obgleich auch sechs Statuen der Ar! als Werke des unglaublich thätigen Lysippus angeführt werden; dagegen waren es besonders idealisirte Portraite mächtiger Fürsten, llelßlie die Zeit forderte. In der Gestalt des Alexander wusste Ly- mPPus selbst den Fehlern Ausdruck zu verleihen, und, wie Plu- tarch Sagt, allein das Weiche in der Haltung des Nackens und den