434 Leyden , Lukas Hnygens v. gedachte er ihrer nach seiner Heimkehr doch nur mit Reue und Schmerz. Er fiihlte sich, wie er wieder zu Hause war, von einem langsam schleichenden Uebel ergriffen, welches ihn allmählig dem Untergango zufuhrte. Seine Eitelkeit und lIy ochondrie war auf das Aeusserste gestiegen; er bildete sich ein, die Maler hätten ihn aus Eifersllßhi vergiftet, legte sich zu Bette, und wollte es nicht wieder verlassen. Er lebte und kriinkelte fort während einer ziem- lichen Reihe von Jahrenf dabei zerstörte er durch verdoppelten Fleiss alle ihm übrig gebliebene Iiraft, statt durch Ruhe für seine län- gere Erhaltung zu sorgen. Die letzten sechs Jahre seines Lebens musste er wegen seiner nasser-ordentlichen Schwäche grösstentheils im Bette liegend zubringen, doch selbst diess hinderte ihn nicht, jeden leidlichen Moment seinen Arbeiten zu widmen. Er hatte sich zu diesem Zweck nach eigener Erfindung Werkzeuge und be- sondere Vorrichtungen verfertigen lassen , die es ihm möglich mach- ten, "selbst in dieser Stellung zu zeichnen, in Holz zu schneiden oder in Kupfer zu stechen. Auch malte er in dieser Zeit noch sein letztes Gemälde in Oel, ein Werk, welches als eines seiner vorziiglichstcn in dieserßrt gepriesen wird. Dieses Gemälde war mit zweien, dasselbe verlsgiliessenclen Fliigelthüren versehen, mit der Jahrzahl 1531 bezeic et, und es stellte den Heiland dar, wie er einem Blinden das Gesicht wieder verleiht. Die Blindheit des von seinem linaben geführten Armen, das Mitleid und die himm- lische Güte im Angesicht des Erlösers werden als höchst vortreff- lich gepriesen. S0 auch die Mariiglaltiglieit und der Augglruck in den öPfen der Umstehenden, die Gewänder, die Biiume und Ge- büsche m der den Hintergrund bildenden Landschaft. Dieses Ge- mälde kaufte späterhin ein Iiunstliebhaber in Harlem um einen bedeutenden Preis. Die allerletzte Arbeit, mit der er sich bis kurz vor seinem Ende beschäftigt hatte, war ein Holzschnitt, welcher die Göttin der Weisheit darstellt. Diesen behielt er immer bei sich, und sein brechendes Auge betrachtete ihn noch mit Wohl- gefallen, als die schwache Hand ihm jede weitere Anstrengung versagte. Seine Tochter heirathete einen Herrn Datnessen und gebar einen Sohn neun Tage vor Lukas Tpd. Als man das Kind nach empfarv gener Taufe dem Qrossvater an sein Bett brachte, fragte er, wel- chen Taufnamen (llO Eltern gewählt hätten , und als man ihm sagte, es sei auch Lukas genannt worden, wodurch man ihn zu erfreuen glaubte, gcrieth er sehr in Zorn, da er glaubte, nur darum habß man den Knaben Lukas genannt, um einen jungen Lukas zu ha- ben, weil ihnen der alte zur Last sei. Als der Kranke fühlte, dass sein letztes Stiindlein herannahtß, wünschte er noch einmal den freien Himmel zu schauen. Er licsä sich aus seinem Bettein den Garten tragen, betrachtete still und ernst die Pracht der Natur, kehrte in sein Zimmer zurück, und starb den folgenden Tag 1553. Es finden sich noch viele Gemälde, welche diesem Künstler 21V geschrieben werden. Im Escurial werden 10 Gemälde von Luea de Hdlanda, wie die Spanier den Lukas van Leyden nennen, aufbewahrt. 1) Eine heil- Familie; 2) ein Priester, der Messe liest; 5) eine Rnhg auf der Flucht; 4) derselbe Gegenstand mit sehr wenig Unterschied; 5) eine Versuchung des heil. Antonius, sehr unkenntlich; 6) die Jungffäu mit dem Iiinde sitzend; 7) die Jungfrau mit dem Iiinde, dem SEE die Brust reicht, eines der ausgezeiehnetsten Kunstwerke. D18 spanischen Patres glaubten, es sei gar nicht möglich, dass zu jene"