Lemoine , Franz- 421 Giinstling F. de Troy tlieilen, und nur in seiner Apotheose des Herkules, an der Decke des grossen Saales in Versailles in Oel auf Leinwand gemalt, machte ihm niemand den Rang streitig. Der Künstler malte hier in grossem Raume 142 Figuren, die in neun Gruppen vertlicilt sind. Man bewunderte darin die Lebendigkeit der Darstellung, die schöne Färbung, die gefällige Beleuchtung, und dcr weise Fleury war ganz bezaubert. Er meinte dieses Bild verderbe ganz Versailles, was er doch wohl so verstanden, dass es vor allem was aus früherer Zeit dort vorhanden war, den Blick abziehe. Wie müsste sich jetzt diese kostbare Malerei, zu welcher der Künstler allein um 10000 Fr. Ultramarin verbrauchte, zu den Prunkstücken der modernen französischen Kunst in jenem Königs- schlosse ausnehmen! Indessen ist Leinoine einer der wenigen Künstler, welche in Frankreich zur Zeit des herannahenden Ver- falls der Kunst sich noch mit einiger Würde zur Selbstständigkeit erhoben, und einem besseren Geschniacke huldigten, als der andere Tross von Malern. Er coniponirte in grosseni Style, doch ohne mit jener Strenge einer früheren Zeit zu verfahren. Seine Figuren sind nicht so theatralisch, wie dieses in der französischen Schule damals gewöhnlich war. Watelet und Levesque behandeln ihn strenge, gestehen ihm aber dadurch, dass sie sagen, Anordnung und Stellung der Figuren sei wahr und natürlich, manigfaltig, und die Grazie seiner Gestalten sei nicht gesucht, und ungezwungen, gerade grosse Vorzüge zu. Sie räumen ihm auch grosscs Verstiindniss in der malerischen Maschinerie ein, aus der Reihe grosser Coluristen schliesseu sie ihn aber aus. Auch in der Zeichnung hatte Leinoine seine Schwächen, besonders in der Musculatur, allein er bestach das Auge durch VValirheit und Miirbigkeit, mit welcher er die Flieischtheile behandelte. Seine Tinten sind frisch und lebhaft, an- genehm und bei glücklicher Vertheilung von Licht und Schatten fehlt es auch nicht an Harmonie. Solche Vorziige gestehen ihm die strengen französischen Iiunst- richter zu; setzen aber doch wieder bei, dass Lenioine in keinem Theile der liunst starli gewesen, wo Festigkeit verlangt wurde. Seinen Figuren gebricht es an Adel, die männlichen sind ohne Charakter, die weiblichen artige Geschöpfe, ohne höhere Schön- heit. Bekleidet sind seine Gestalten auf angenehme Weise, doch darf man einen St_yl der Draperie darin nicht suchen. Ein Haupt- vorzug bleibt die ihm eigene Leichtigkeit im Umrisse der Figuren, und seine grosse Anmuth in den frischen und lebhaften Tinten. Der Plafond in Versailles erhob ihn auf den Gipfel des Ruhmes- E1- wurde nach Vollendung desselben an_der Stelle des L. de-Bou- logne erster Maler des Bonigs; allein jetzt folgte ihm auch der Hass und ein Heer von Neidern. Jetzt drängte man das (Tinte, wel- ches er besaß, in den Hintergrund, man zählte nur die Fehler, und der Cortona Frankreichs ward von den Iiunstgenossen, die Sißh an Verdienst mit iliin nicht messen lmnnten , angefeindet und verachtet. Schon ohnehin angegrilien fühlte er sich jetzt dvppelt verkannt, und als sich zu seiner Melancholie noch die Idee ei- ner Beraubiing seiner persönlichen Freiheit gesellte, so brachte er sich ßmßs Morgens neun Stiche bei, weil er glaubte, {Pan konlmß. um sich seiner zu versichern- Er fiel todt zu den Fassen seines Freundes Bürger, der gekommen war, um ihn mit sich auf das Land zu nehmen. Die Werke Lemoimfs sind zahlreich, und am liebsten war es ihm, grosse Räume bemalen zu dürfen, denn er wollte gerne öffent- lich glänzen. Der Plafond des Jakobiner-Chors in der Bacqstrasse