28 Kirchmayer, Kirchmayer , übrig lässt, wie überhaupt der ganze Saal mit seiner kostbaren Ver- zierung einzig dasteht. Die Schnitzwerke in Elfenbein besorgen tüch- tige Arbeiter, und neben anderen hat auch der Bruder unsers Künst- lers, Franz Kirchmair, einigen Antheil. DieseristZirnmermann, mit ausserordentlichem Talente begabt. Er zeichnet sehr gut, ohne diese Kunst von Jemanden gelernt zu haben, und auch im Schnitzen in Holz und Elfenbein hatte er keine Anweisung. Er hat auch Antheil an den Holzarbeiten im Schlosse Hohenschwangau. Viele architektonische Zierathcn wurden nach seiner Zeichnung und theilweise von ihm selbst ausgeführt. Der neue Dachstuhl des Schlosses istdas Ergebniss seines Nachdenkens, und dieser war wegen der Unregelmäßigkeit der Form keine geringe Arbeit. Iilrchmayer, Joseph, Bildhauer zu München, wurde ms zu Bockersing in Niederbayern geboren und von seinem Vater, der Bildnisse und Holzsculpturen fiir Kirchen fertigte. zu ähnlichem Betriebe angehalten. In seinem 11. Jahre kam er zu einem Bild- hauer nach Passau, am meisten aber verdankte er hier dem Histo- rienmaler Bergler, der ihm im Zeichnen und Modelliren Unterricht ertheilte. Bei dieser Gelegenheit fand er auch an dem Fürsten Leopold von Thurn einen Gönner, der ihn nach Wien mit sich nahm und daselbst unterstützte. Iiirchmayer hielt sich in dieser Stadt sieben Jahre auf, während welcher Zeit er mehrere Büsten in Erz und Marmor ausführte, und im Jahre 1804 wurde er auf Iiosten des Königs Maximilian nach Italien geschickt, um in Rom seine Studien zu vollenden. Er besuchte auch Neapel und andere Städte, und endlich kehrte cr nach München zurück, wo er sich bald sehr ehrenvoller Aufträge zu erfreuen hatte. Der Iiönig Lud- wig, damals noch Kronprinz, liess durch ihn mehrere Büsten in carrarischem Marmor für die prachtvolle Walhalla ausführen, und überhaupt ist die Zahl seiner Büsten bedeutend, da der Künstler seinem Individuum sprechende Aehnlichl-zeit und charakteristischen Ausdruck zu verleihen weiss. Auch in der technischen Behandlung sind seine Bildnisse zu rühmen. Wir erwähnen besonders die treff- lichc Büste des Ministers von Ilompesch, jene des geheimen Bathes von Feuerbach in Gyps, Maximilians I. von Bayern in cararischem Marmor für die Walhalla; des Königs Maximilian in Gyps, alle vor 181d ausgeführt; ferner die Büste der Königin Iiaroline in Gyps, 1817, Jene des Herzogs von Leuchtenberg in carrarischem Marmor, des General-Direktors v. Brenner u. s. w. Eine rühm- liche Erwähnung verdient auch die colossale Büste des Königs Maximilian, welche bei Gelegenheit der Jubelteier 1825 für ein Monument der Stadt Amberg in Metall gegossen wurde. Für die Stadt Freising stellte er den Köni Maximilian und dessen Gemah- lin in einem Medaillon von Erz üar. Iiirchxnayer fertigte indessen nicht allein Büsten, sondern auch Statuen, wie jene der Psyche, der Minerva in Lebensgrösse für den Gommerzienrath v. Seidel etc. Dann finden sich von ihm auch Grabmonumcnte, wie jenes des Grafen Maximilian von Arco, des Churfürsten Wenceslaus von Trier in der Kirche zu Oberdorf, der Mine. Sabbadini, des Grafen Fugger im lllerthale u. a. Etliche sind auf dem Gottesacker in München. Iiirchlnayer ist noch immer in voller Thätigkeit, ein sehr geachteter Künstler. lhrchmayer, FrlOdrlCh, Bildhauer, der Sohn des Obigen, wurde 1812 in München geboren, und unter Leitung seines Vaters, so wie später auf der Akademie der lfiunstc in München zum Künstler gebildet. Er fertiget Büsten, Reliefs u. s. w.