566 Kessels , Matthias. Kessels, Matthms, berühmter Bildhauer, wurde 1134 zu Maastricht geboren, und nach dem frühen Tode seines Vaters zur Goldschmiede- kunst bestimmt. Allein Kessels hing mit ganzer Liebe der Plastik an, und daher ergab er sich in Paris derselben ausschliesslich. Zuletzt unterbrach hier eine Krankheit seine Studien, und der junge Künstler begab sich nach Hamburg, wo sein Bruder Architekt ist. Im Jahre 1806 begab er sich nach St. Petersburg zu Camberlain, der ihm beinahe 8 Jahre Arbeit verschaffte, und endlich kehrte er 1317 wieder nach Maastricht zurück. Von da aus ging er wieder nach Paris, wo er Gelegenheit fand, vier Monate Girodefs Schule zu besuchen, bis er endlich seine Reise nach Rom antrat, wo Iies- sels sich neben den berühmten Bildhauern jener Stadt ebenfalls einen riihmlichen Namen erwarb. Er führte im Atelier Thorwaldseifs nach den Modellen dieses Meisters die zwei schönen Basreliefs aus, die unter dem Namen von '„Tag und Nacht" bekannt sind. Auch bewarb er sich um den von Canova nus_ esetzten Preis, der ihm auch zu Theil wurde, mit dem Bilde des heil. Sebastian, wel- cher in de Bastis Annales du Salon de Gand p. 37 im Umriss ge- stochen ist. Der Iiönig der Niederlande beglückte ihn auch mit einer Pension, und nun blieb dem Künstler, volle Musse, seine Ausbildung "zu vollenden. Man sah von jener Zeit an mehrere Werke, deren einige in den Privatbesitz übergingen. Berwich d'Alba erhielt einen allerliebsten Amor, der seinen Pfeil schärft, und für M. Puublon in Florenz stellte er den Genius der Iiiinste in Marmor dar. Grossen Beifall fand sein ruhender Dioscobulus, und noch allgemeineres Lob erwarb ihm später tein stehender. Die lebendige Bewegung aller Glieder, die gutgewiihlte Stellung, die Schönheit der Form mit ihren sehwellenden Muskeln geben diesem Bilde hohen Werth. In Rom fertigte Kessels auch die Büste des Admirals Tromp, und hier entstand später die vortreffliche Gruppe, welche eine Scene aus der Siindfluth darstellt, Mann, Weib und Iiind in colossaler Grösse, für einen Engländer ausgeführt. Der Vorwurf ist schwierig, aber Kessels hat seine Aufgabe auf geniale Weise gelöst, und in der ausserord. Beilage zur Allg. Zeitung 1836 N0. 15T; heisst es sogar, dass man, ohne in Uebertreibung zu fallen, behaupten dürfe, seit Michel Angele sei in der christlichen Iiunst kein so grossartiges Werk entstanden. Compostioii, Gefühl fiir schöne und richtige Zeichnung erheben diese Gruppe in die Reihe der ersten Werke der alten, wie der neuen Iiunst. Allein nicht nur dieses sein letztes Werk verdient eine riihmliche Erhebung, auch sein Discuswerier, den er für den Herzog von Devonshire ausge- führte, zeigt, dass Kessels die griechische Kunst nicht nur verstand, sondern sie in ihrer ganzen Schönheit und Naivetät auffasste, und auf eine bewunderungswürdige Weise sie auszuüben Wusste. Selbst Thorwaldsen, der erste lebende Bildhauer, hätte diese Figur nicht schöner geben können. Sein Iiopf des Erlösers ist vielfältig wiederholt, und Abgüsse in Gyps sind nicht allein in Italien, son- dern auch über ganz Europa verbreitet. Auch Christus an der Säule und der Madonnenkopf sind ausgezeichnet. Eine Venus von ihm ist Samen übrigen Leistungen in Nichts nachzustellen, und seine Kühnheit des Geistes ol-Tenbaret auch das Monument der Gräfin De Celles in 0111er Kirche Emu's. In seinen Erholungsstunden m0- dellirte er Thiere mit einer Wahrheit und Lebendigkeit, die ihn auch in diesem Zweige der Kunst als Meister zeigt. Kessels wurde in seinem Leben nicht durch glückliche Umstände begünstiget; eisener Fleiss. ausdauernde Geduld, religiöses Gefühl und sein hohes Talent machten ihn zu dem ausgezeichneten Manne, der 1830 in der Kraft der Jahre durch den Tod von seiner Laufbahn