Holb ein , Hans. 243 land, wo er durch Erasmus an Thomas Morus empfohlen war. Dieser fand solches Wohlgefallen an dem Iiiiilstler, dass er ihn gleich längere Zeit in sein Landhaus aufnahm, nämlich iu Chel- sea, wo Morus mit zahlreicher Familie wohnte. Erasmus nannte diese Familie eine Schule christlicher Frömmig- lieit, und so möchte denn auch die Aufnahme in diese Familie ein neuer Beweis gegen den Vorwurf schlechter Sitten seyn, welchen mehr als hundert Jahre später Patin und nach ihm Andere unserm Maler gemacht hatten. Eine skizzirte Ilandzeicltnung auf der Bi- bliothek zu Basel, von Mechel herausgegeben, stellt diese ehr- würdige, später so unglückliche Familie, mit heigeschriebenem Al- ter dar. Diese Zeichnung verfertigte er 1529- Durch Morus wurde Holbein im Jahre 1528 dem Iiönig Heinrich VIII. bekannt; dieser nahm ihn sofort in seine Dienste, und von nun an wurde er vorzugsweise Portraitmaler, in welcher Eigenschaft er zu einem europäischen Buhme gelangt ist. Er malte nun eine Menge vor-e nehmer und berühmter Personen; die unschätzbare Sammlung von 89 Portraitskizzen, welche die Königin Karoline im vorigen Jahr- hunderte im Schloss zu Iiensington entdeckte, und welche durch Bartolozzfs Hand der ganzen Welt vor Augen gestellt ist, gibt uns einen lebhaften Begriff von dieser Tbätigkeit. Unter den durch Wissenschaft berühmten Männern zeichnet sich der Dichter Nico- laus Bourbon und der Astrmxom Nicolaus Kratzer von München aus. Letzteren malte Holbein mehrmalen, und eines dieser Bild- nisse von 1526 sieht man im Museum zu Paris. Holbein verfertigte auch Miniaturgemälde, von denen noch meh- rere vorhanden sind. In einem Hause in der Nähe von Excter hat man 1857 erst wieder ein Miuiaturbildniss der Königin Elisa- beth aufgefunden. Sie ist ihm gesessen, eine Gunst, die sonst keinem Manne zu Theil wurde. Auch fertigte er Zeichnungen von allerlei Geräthen und Verzierungen für Goldschmiede, Schmelz.- arheiter, Miinz- und Holzschneider; er modellirte und schnitzte, selbst in der Baukunst war er erfahren, und die Eilgländer geben ihm das Verdienst der Einführung eines besseren Geschmackes in der Architektur ihres Landes. Im Jahre 1529 kam er wieder nach Basel, wo er Frau und Hin- der zurückgelassen hattc,__und jetztysah er die traurigen Verhee- rungcn, welche die religiöse VVuth gegen die Bilder in diesem Jahre angerichtet hatte. In dieser Zeit scheint er jenes beriihixite Bild der Dresdner Gallerie: das Portrait des Bürgermeisters Jakob Meier mit seiner Familie, gemalt zu haben. Dieses ist, ausser mehreren Portraiten, eines der vorziiglichsten Gemälde Holbeiifs in jener Sammlung. Das Bild ist höchst edel aufgefasst, voll Würde und Verkliirtheit. Die Bildnisse sind siimmtlich meisterhaft gemalt, nur ist das Christkind wegen seiner Hiisslichkeit, und der mageren Verhältnisse halber widrig. Den Grund diese; Uebelstandes kennt man nicht; aber man suchte Entschuldigung und Erklärung. Hirt glaubt, dass die Madonna mit dem Rinde eine Friihverstorbene sei, um welche die zurückgebliebenen jetzt sich versammeln; A11- dere meinen, das Kind in den Armen der Madonna sei nichtfilas göttliche, sondern ein krankes, dem Bürgermeister zugebärtäß Iiiud, um dessen Genesung der Vater und die ganze Famllleuülß Mutter Gottes anflehen. Wie auch die Sache sich verhalten moge, das liind ist nicht schön, und estbleibt nur der WIIPSCha daßß es eine wiirdigere Form hätte. Gestochen ist dieses Bild von K. Patin, und neuerdings abgebildet in des Grafen Baczmslsy Ge- schichte der neuercn deutschen liunst I. 99. Der Holzschnitt ist von 16'