164 Brun , Charles Le Brun verbreitete sich über alle Gattungen der Malerei; hohe Formen und Fiille derselben, ein kräftig autgeregtes oder aufstre- bendes Leben, die Glorie der That, waren die lireise, in denen sich sein Genius am herrlichsten bewegte. Er wusste seinen Köpfen mannigfaltigen: Ausdruck der AlTelite zu verleihen, und die Natur genau nachzuahmen; nur ist er nicht immer richtig in der Zeich- nung, was aber nur die Eile verursachte, die ihm auch oft nicht gestattete, die Geburten seiner Phantasie gehörig zu pflegen. Im Colorite hatte er im Allgemeinen keine grosse Stärke, dennoch ziehen einige seiner Gemälde durch wahre, liriiftige und liebliche Farbengebimg an. UnteryLe Brun's erste Arbeiten rechnet man die Geschichte der ehernen Schlange, und eine heil. Familie in der St. Paulskirehe, bekannt unter dem Namen des Benedicite, von Edelinl: treFflich ge- stochen, so wie ein herrliches Bild der Magdalena. Grosson Ruhm erwarben ihm die Malereien in den Pallästen lliviere und Bouillon, und jene der Gallerie des Präsidenten Larnbert. Eines seiner be- sten Werke ist die Marter des heil. Stephan in lebensgrossen Fi- guren, welches er in seinem 52. Jahre malte, und das viel zu sei- nem Rufe beitrug. Auf den Gipfel des Ruhmes erheben ihn aber seine Alexander-Schlachten. Sein Alexander, der (llG gefangene ersisehe Königin und die Familie des Darius besucht, wurde durch Iiupferstich verbreitet, und besonders hat Edelink hierin seine ganze Iiunst erschöpft. Alexander's Einzug in Babylon, die Schlacht bei Arbela, der Uebergang über den Granicus und die Niederlage des Perus hat G. Audran meisterhaft gestochen, und dabei selbst nicht wenig zum Iluhme Le Brun's beigetragen, denn Audran verbesserte oft die Unrichtigkeiten der Zeichnung des Ori- ginals. Auch Joh. Audran, van Gunst, Leclerc u. a. haben diese Schlachten gestochen. Le Brun hat also die Schlachten Alexander's, und diese haben ihn verewigt-g aber die Idee zu dieser colossalen Arbeit scheint nicht äanz aus ihm selbst vorgegangen zu seyn. Es existirt ein Achat, ( er die zwei schönsten Darstellungen enthält, nämlich das Zelt des Darius und Alexanders Einzug in Babylon. Diese Darstellun en hat der Iiiinstler fast ohne alle Veränderungen beibehalten. Der Achat wurde 1749 zuerst durch einen gelungenen Kupferstich von S. Kleiner bekannt. Der Iiupferstich fixhrt die Aulschrift: Achates orientalis ruber, insculptas referensiicones praecip. Alexandri M. ducum et rerum estarnrn. Diesen Stein eriislärten Mariette und Andere für antik, Einige aber zweifeln an der Antiquität desselben. Der jetzige Besitzer ist uns unbekannt. Le Brun verzierte auch die Palläste des Iiöni s und die Gallerie von Versailles, wo er die Thaten Ludwigs XIV. in allegorischen Bildern. darstellte. zahlreich sind auch seine Entwürfe, die in Ta- peten übertragen wurden. Unter diesen erlangten besonders die vier. Jahreszeiten Celebrität. Der Iiiinstler hatte die Oberauf- siehtiiber die Gobelins. Im Jahre 1662 erhob ihn der Iiöni in den Adelstand, und gab ihm den Titel eines ersten Hofmalers. Nun war er unumschränkter Herrscher im Gebiete der schönen Iinnste;_ alle Talente mussten ihm huldigen oderwseine Macht em- pfinden. Diese hatte jedoch 1683 mit dem Tode Colberfs, seines Gönners, ein Ende, und das Ansehen des Iiunstdespoten Le Brun sank immer mehr. Doch behandelte ihn" der König stets liebreieli, obwohl er Mi nardfs Glück zu befördern suchte. Die Malerei verlor "idliranlireich nach Le BrunsTod sehr viel, indem sie den guten italienischen Geschmack misskannte, und eine Richtung