Bodmer, Jakob. Bodmer, Gottlieb. 555 Bodma führte den Titel eines herzoglichen Iiammerdieners, damals eme Auszeichnung war. W35 Büdmer; Jaüßb; Goldschmid und Iiupferstecher zu Zürich um 1690. Man hat von ihm einige mittelmässig gestoehene Bildnisse. Bodmers Güttlleb , einer der berühmtesten Lithographien Deutsch- lands, Sohn eines k. b. Schullehrers im Landgerichtc München, wurde 1801; geboren und kam in seinem 16. Jahre auf die k. Aka- demie zu München. Er widmete sich hier der Ilistorienmalerei, musste aber nach dem Tode seines Vaters, da er ausser einem Caliinetsstipentlium keine Hiilfsmittel hatte, das Portraitfach ergrei- fen, malte in den Jahren von 1824 bis 1829 in München viele Pur- traite , und verdankte in diesem Fache vieles dem als Mensch und Künstler gleich aclttbaren llofmaler Stieler. Seine Bildnisse verra- then ein ungemeines Talent für charakteristische Auffassung und Gediegenheit in der technischen Behandlung. Eines dieser Bilder, ein schönes Landmlidchen aus dem Achenthale, das aus der mit Weinlaub unirankten Fensteriiffilung blickt, und sich mit beiden Armen auf das Gesimse lehnt, hat der Künstler in neuester Zeit durch die Lithographie bekannt gemacht. Er malte dieses Bild 1827 im Bade lireuth bei Tegernsee, und erwarb sich damit auf der Iiunstausstellung zu München grosse Anerkennung. Im Jahre m29 wurde er durch den Buchhändler Frankh aus Stutt- gart veranlasst, die berühmte Madonna di S. Sisto, RafaePs Blei- sterwerk in der k. Galilerie zu Dresden, durch die Lithographie wieder zu geben, und nun machte sich Bodmer unter der eitung seines Freundes Winterhalder, der damals als der erste Lithograpll bekannt war, an ein ihm gänzlich fremdes Fach. Zur Zeit der Beendigung dieses Bildes hatten sich die Verhältnisse Franklfs ge- ändert, und Bodmer sah sich daher zur eigenen Herausgabe deS Werkes genöthiget, da er niemand fand, der ihm den Stein für die be- dungene Summe abliiste, doch fand der Künstler dabei seine Bech- nung wider alle Erwartung ünstig. Die Madonna ist nach Mül- ler's Stich dargestellt, und die Nachbildung höchst gelungen. Der Charakter und Ausdruck der Köpfe, die Zeichnung der nackten Theile und Gewänder sind mit ausnehmender Genauigkeit wieder- gegeben, und in der zarten Ausführung jedes Einzelnen, wie In er Haltung des Ganzen, hat der Künstler die Wirkung des Kup- ferstiches auf eine bewunderungswiirdige Weise zu erreichen ge- wusst. Die günstige Aufnahme, welche Bodrnefs erste lithographische Arbeit fand, bestimmte denselben, noch einige andere zu unter- nehmen; er wählte zunächst zwei Bilder von Heinrich Hess zur Nachbildung, die Christnaeht und ein Altarbildchen, die wegen des heiligen und frommen Sinnes und wegen der Zartheit des Sty- lcs, der in ihnen herrscht, in ganz Deutschland Beifall-fanden._ Im Jahre 1831 unternahm der Iiiinstler eine Reise nach FEINE! wo er ein Paar Monate zu verweilen gedachte, allein V09 der Schönheit und dem regen Leben der Stadt und ihren herrlwhßll Iiunstschätzen angezogen, dehnte sich der Aufenthalt auf ein Jahr aus, den ihm die Bekanntschaft mit grossen Iiiinstlern immer an- genehmer machte. Er schwankte lange, ob er sich als Lithograph oder als Maler ausbilden sollte. Zur Malerei hatte er eine natürliche Neigung- er zog aber dennoch die Lithographie vor, weil sich ihm zur Ver- vollkommnung in dem technischen Theile dieser liunst besonders günstige Gelegenheit darbot, indem er bei Grevedon u. MaurinNocl