348 Achtes Hauptsti iuk. Holzes, zumeist in Verbindung mit Steinstrukturen, vorfinden, in denen sich antike Üeberlieferungen wieder erkennen lassen. Bevor wir von denselben handeln, möge noch das südliche Tyrol, ein mehr romanisches als deutsches Land, als der Sitz einer eigenthümlichen durch den Steinstil modificirten Holzarchitektur Berücksichtigung finden. Dort, in der Gegend von Meran, Botzen und Roveredo, ist der Etagenbau häufig massiv, während das Dachwerk mit dem Giebel ein verziertes Holzgeschränk bildet, das so eingerichtet ist, dass dadurch ein weit offenes unverglastes Seitenoberlicht für ein bedecktes Atrium in der Mitte des Hauses gewonnen wird. So erinnert diese gewiss antik traditionelle Ein- richtung an das ägyptische Malkaf, an den Windfang, mit Hülfe dessen die Sonnenhitze ausgeschlossen und zugleich der kühle Luftzug in den inneren Hof der Häuser geleitet wird, dessen Vor- bildcr auch schon auf den Wandmalereien der Gräber aus derl Zeiten des alten Reiches vorkommen. Das so beleuchtete, mit einem sehr künstlichen sichtbaren Dachstuhle bedeckte Atrium geht durch alle Etagen hindurch, enthält die Freitreppen und für jede Etage die nöthigen Galerieen zur Verbindung der Piecen. (S. z. Vergleichung oben 145 über das Atriuni.) Meines Wissens ist noch nirgend dieser gewiss merkwürdigen Bautradition die ihr gebührende Aufmerksamkeit zu Theil geworden. Nächstdem bietet Toskana manche interessante Motive der äusseren Holzarchitektur, die gleichfalls der ältesten Tradition dieses Landes angehören; die Hetrusker werden gerühmt als sehr geschickte Holzarchitekten. Das berühmteste ziemlich frühe Beispiel einer sehr gelehrten Dachkonstruktion (offenbar nach antiker Inspiration, da sie ganz an jene bereits erwähnte Thorbedachung erinnert, die den Gegenstand einer lateinischen Bauinschrift bildet), ist das Konsolendach des Bigallo in Florenz, 1 nach muthmasslicher Angabe ein Werk des Orgagna, also der letzten Hälfte des 14. Jahrhunderts angehörig. Dieses Beispiel steht nicht vereinzelt, denn man findet ähnliche vorgekragte Dächer besonders häuiig über alten Thorwegen (Ein- gängen zu Klostergärten), vornehmlich zum Schutze der Malereien, womit das obere Mauerwerk über dem Thürbogen geschmückt ist. Bemerkenswerth sind auch die weit ausragenden Holzgesimmse verschiedener Paläste Toskanafs, mit mehrfach wiederholtem Kon- Gailhabaud Ußhchitectxxre