Frühmittelalterliche Prachteinbande bewahrt das Mu- seum im Original nicht, wohl aber eine Reihe von Ab- güssen, die durch Bemalung, die hier unumgänglich nötig ist, die Originale, so weit als möglich vor Augen führen und ersetzen können. Diesen älteren kirchlichen Einbän- den schliessen sich die Ledereinbande des 14. und 15. ]ahrhunderts an, bei welchen die Fläche des Deckels, der Ort, wo der Schmuck angebracht wurde, also das Ornament, welches in das Leder eingeschnitten oder aus demselben herausgetrieben ist, durch mächtige Metall- beschläge geschützt wurde. Einzelne Einbände aus ge- triebenem, edlem Metalle, mit Emailschmuck und Steinen, teilweise mit Samtunterlage, finden sich auch hier, so ist namentlich als reicher Metallband bemerkenswert ein im Museum aufbewahrter, aus dem Ende des 15. Jahr- hunderts stammender Deckel, dessen rot unterlegte, durch- brochene Silberarbeit in der Mitte eine Madonna unter spätgotischem Baldachin zeigt. Mit der Erfindung der Buchdruckerkunst bildete sich jedoch neben den vielen Arten, in denen sich die Bücher- einbände zeigen, neben den Beuteln und Kapseln, neben den einfachen Pergamentumschlägen ein eigentlicher Biblio- thekeinband aus, wie wir ihn in der Scheurlschen Bücher- sammlung treffen, darauf eingerichtet, dass die Bücher fortan neben einander gestellt und leicht aus der Reihe herausgezogen werden können. Die Beschläge, weil un- praktisch und hinderlich, Helen ganz weg, und ebenso erwies sich die Reliefverzierung als unzweckmässig. Der Lederüberzug der Holzdecke erscheint gleichfalls, da mit den Einbänden kein Prunk beabsichtigt ist, über- flüssig und vereinfacht sich auf einen Streifen am Rücken. Der Wechsel des Geschmacks rief zwar in der eigentlichen Verzierung von der Renaissance zum Ro- .koko mannigfache Veränderungen hervor, ohne jedoch den eigentlichen Charakter zu verwandeln. Für die spätere Periode, sowie für die der weissen, braunen und bunt- bemalten Ledereinbände, der Pergamentbände u. s. w. sind in der Sammlung reichlich Muster vorhanden.