Antonio di Francesco. 133 Leben des hl. Rainer oder Raniero bezahlt, die er im Campo Santo angefertigt hatte und von denen jedes auf 70 Gulden geschätzt worden; war. Das erste Gemälde stellt den Heiligen dar, wie er sich aus dem gelobten Lande zur Heim- kehr naeh Pisa einsehiEt, sowie seine Ankunft in der Heimat: dort sieht man noch die Hafen- stadt, auf dem Meere schwimmt das Boot und in der Höhe erscheint Christus in der Glorie. Dieser Theil des Gemäldes hat sehr gelitten: der Kopf des Heiligen ist zerstört und alle Figuren bis auf die einzige neben S. Raniero sind übermalt. Den ersten Theil des Gemäldes trennt ein am Ufer sitzender Schiffer vom zweiten. Auf diesem aber werden zwei Szenen dargestellt: die Ge- schichte vom betrügerischen Wirth und die gast- liche Bewirthung des Heiligen bei den Domi- nikanern von Pisa. Dort, wo S. Raniero in seinem Gcwande das Wasser von dem Weine scheidet und den Teufel in Katzengestalt auf dem Feste zeigt, herrscht Aufregung, Entsetzen und Bewunderung; hier unter der Pfeilerhalle vor dem stillen Kloster waltet ein freundlich ge- lassenes Behagen. Auch das zweite Gemälde vergegenwiirtigt zwei verschiedene Ereignisse. Zuerst die Ausstellung des Leichnams des Heiligen in S. Vito; links steht eine Gruppe Leidtragender, am Kopfende Klerus und Volk; rechts drückt ein Jünger die Hand des Meisters an seine Lippen und lässt sieh ein greiser Bruder von einem riistigen Genossen heranführen, noch einmal das Antlitz des Verewigten zu schauen. Vorn legt eine alte Mutter ihre wassersüehtige Tochter nieder, damit sie durch den wunder- wirkenden Todten geheilt werde. Ueber den Häusern und dem Kirehthurm im Hintergrunds wird endlich der Verklärte von vier Engeln zum Himmel getragen. Auf der anderen Seite des Gemäldes erfolgt die Uebertragung des Todten aus S. Vito nach der Kathedrale unter grosser Begleitung. Das dritte Gemälde besteht wie- der aus zwei Haupttheilen, die aber beide sehr gelitten haben: die Ausstellung des Todten unter einem Baldachin in der Kathedrale, Wobei an Kranken allerlei Wunder geschehen, und die Wunderwirkung des Heiligen nach seinem Tode an denen, die ihn gläubig anrufen. schildern. Viele seinerFiguren sind ohne Zweifel Porträts (darunter auch der Ueberlieferung nach das seinige). Allein bei allem Realismus liebte er doch nach Vasari gerade das Zarte und An- mnthige, und inder Charakteristik erhob er sich bis zu edler Würde. Seinem Wesen getreu stilisirt Antonio viel weniger seine Gewänder, als dass-er sie nach der Wirklichkeit bildete. Er unterscheidet selbst verschiedene Stoffe. Aber sednc Bekleidung lässt nicht nur die Formen der ;Körper noch zur Geltung kommen, sondern gibt auch den Gestalten etwas Schlankes. Die Archi- tekturen Antonids sind klar und bestimmt ; in der Perspektive hat er für seine Zeit Kusserordent- liehes geleistet. Ueberall führt er mit Feinheitund Sorgfalt aus. Vasari rühmt von seinen Fresken, dass nirgends Retuschen a seeeo vorkamen, und letzteres haben auch Crowe und Cavalcaselle noch erkennen können. Der Stil der Dar- stellungen muss, wenn gleich die Ansichten da- rüber getheilt sind, für toskanisch gelten, wie denn auch Schnaase die Zeichnung giottesk findet, doch mit dem der späteren Zeit entspre- lehenden Streben nach grösserer Rundung. An- ltonio bildet so einen der Vorläufer für die Ent- wickelung, welche sich in den Malereien der 'Kapelle Braneaeci in Del Carmine zu Florenz kundgibt. Daher ist an sich nicht unwahrschein- lich, was Vasari noch berichtet, dass A. der Lehrer des Gherardo Starnina und des Paolo Uecello gewesen. Dass durch ihn ein gewisser Zug des venezianischen Geistes nach Florenz gekommen und zur Hebung der dortigen Schule beigetragen hätte, wäre nicht undenkbar. Denn die Auffrischung-der verfallenden Florentinvi" Schule unter den späteren Nachfolgern des Giotto scheint überhaupt auf Einwirkungen zu beruhen, die theils von Siena, theils von Oberitalien aus- gingen ( Ungar). Die Charakteristik des Meisters, die Vasari schon bei jenen verlorenen Bildern andcutete, bestätigt sich (lurchaus an den Fresken des Campo Santo, soweit diese noch, insbesondere mit Hülfe der Abbildungen von Lasinio, beur- theilt werden können. Mit aufrnerksamem Auge und sicherer Hand folgt Antonio überall bis in alle Einzelheiten der Natur selber. Die nackten Körper zeigen ein überraschendes anatomisches: Verständniss, und an Kranken wird die Art ihrer Leiden und Gebrechen auf das bestimxnteste dargestellt. Vollendete Kindergestalten wurden erst von der späteren Renaissance geschaffen, aber sonst weiss Antonio die verschiedenen Al- ter, Beschäftigungen und Charaktere treffend zu Eine gleichfalls noch 1386 für die Orgelka- pelle des Domes in Pisa gemalte Altartafel ist untergegangen. Auch noch im J. 1387 war der Meister im Campo Santo beschäftigt, nament- lich mit der Restauration oder Vollendung der Fresken älterer Zeit. Hölle, Fegefeuer und Pa- radies wurden von ihm umrahmt, wobei er dann mit zwei Gehilfen für 4 Tage Arbeit 65 Lire und 13 Denare bekam. Bedeutende Ergänzungen oder Ausbesserungen machte er an dem Werke Pietro Lorenzettfs, an (len Anaehoreten in der Thebais. Hier sind von seiner Hand der Leichnam des Onofrio und die Gestalt des Pafnu- zio, ferner der Beato Giovanni Gambacorti zwischen zwei schwebenden Engeln und unmit- telbar darüber die Gruppe von vier Einsiedlern, welche besonders lebenswahr erscheinen. Uebri- gens schloss sich Antonio bei diesen Malereien so getreu als möglich an Lorenzettfs Weise an. Nach Vasari kehrte Antonio von Pisa nach Florenz zurück und malte hier für Giovanni degli Agli in Nuovoli vor Porta Prato ein 'l'abernakel, das Bottari vergebens suchte, von