im Reizenden, in der bewegten Anmuth, das Er- habene nur in der Form des gemilderten, freund- lich entgegenkommenden Ernstes. Auch das Grossc, das Strenge und Würdevolle musste diesem Charakter sich fügen, und wo es ihm all- zusehr widerstrebte, da in tierThat ist sein Aus- druck, den der Meister übrigens nur ausnahms- weise suchte, misslungen. Das Grosse lag über- baupt nicht in seinen Mitteln, noch in seiner Empfindung; so wenig wie jenes Ideal, das die Natur überschreitet. Er ist in dieser Beziehung das gerade Gegentheil von Michelangelo, mit dem er sonst viele verwandte Züge hat. Ihm fehlt die Grösse. Allein die Form, in welcher er das Leben zum Ausdruck bringt, ist von einer Vollendung und einem Zauber, deren Wirkung, für alle Zeiten eine um so grössere Macht hat, als diese Form an sieh eine Zieht menschliche! ächt natürliche ist und doch keineswegs der idealen Läuterung entbehrt. Dass Correggio einen Höhepunkt der Kunst bezeichnet, auch für solche Epochen, die nicht von seiner Anschauung beherrscht sind, das hat sieh in dem tiefen und nachhaltigen Interesse bewährt, damit unser Zeitalter seinem Leben und seinen Werken nachgeforscht hat. Seine eingreifende Wirksamkeit schien mit der Zopf- periode abgeschlossen; und doch hat gleich an ihrem Beginn die neue Zeit sich a1if's Eifrigste mit ihm beschäftigt. Erst seitdem auch ist die, Sagenhülle gefallen, die sich um sein stilles Da- sein gelegt hatte. Schon mit dem 18. Jahrh. beginnen die Ver-i suche, sein Leben aufzuklären. Die Bemühun- gen des schon gen. Pater Sebastiano Resta von Mailand vom Ende des 17. Jahrh. lassen sich dahin kaum rechnen, so sehr auch dieser darauf aus war, von allen Seiten Notizen über den Mei- ster zu sammeln und sein Gedäehtniss in jeder Beziehung wiederherzustellen. Sein Forschungs- eifer hatte zum Theil persönliche Beweggründe. Er hatte eine reichhaltige Sammlung von Zeich- nungen zusammengebracht, davon er einen gros- sen Theil für Arbeiten Correggids hielt, wäh- rend eine gute Anzahl derselben von anderer Hand nach Motiven des Meisters her-rührte; ja, nach einer Aussage des schon genannten Conte Rezzonieo (s. Campori, Lettere artistiehe, p. 281) sollten sie sämmtlieh von der Hand des FYaDCOl (Gio. Battista?) sein. Möglich jedoch, dass Resta selber in gutem Glauben war. Allein ihm war darum zu thun die Sammlung, die ihm theuer zu stehen gekommen, an den Mann zu bringen (er nannte sie Parnasso de' Pittori und gab ihren Katalog unter dem Titel heraus: In- dice del libro intitolato Parnasso dc' Pittori, in cui si contengono varj disegni orig-inali raeeolti in Roma da S. Resta. In Perugia 1707). Dazu war nothwentlig für den Meister ein gesteigertes Interesse zu verbreiten; und so brachte er über dessen Leben eine Anzahl von Mährchen auf, welche geeignet schienen, eine tiefe und nach- haltige Theilnahme zu erwecken. Er mag zum Theil selbst daran geglaubt haben; denn er han- delte aus einer seltsamen Mischung von persön- lichen Antrieben und von aufrichtiger Verehrung für den grossen Maler, dessen Ruhm er aufzu- frischen suchte und dem in Correggio ein Denk- mal zu setzen er selber wieder zu Opfern bereit war. Ein merkwiirtliges Beispiel dafiir, wie er zu seinen Nachrichten kam und welche Mittel er aufwandte um dafür Beweise beizubringen, wer- den wir bei der Untersuchung von Correggios angebliehem Aufenthalte in Rom keimen lernen. Den Erzählungen des Mannes, den Anekdo- ten, die er in Umlauf brachte, ist natürlich kein Glauben zu schenken, und die vielfachen Be- mühungen, von denen sein Briefwechsel zeugt, mögen nur den einen Nutzen gehabt haben, dem lLeben des Meisters eine grössere Aufmerksam- lkeit zuzuwendcn. Uebrigens ist nur ein kleiner {Theil seiner Briefe in den Lettere pittoriche des Bottari abgedruckt; weitaus der grössere Theil, an den Maler Giuseppe Magnavacca gerichtet, ist Tirabosehi zufolge nach England gekommen. In den ersten Jahren des 18. Jahrh. hatte dann der Schweizer Maler Lod. Ant. David, der fast ,sein ganzes Leben in Italien zugebracht zu ha- lben scheint, eine Biographie Corrcggios unter- lnommen. Sie ist nicht gedruckt worden; sie bil- ldete einen Theil eines grösseren Werkes (mit dem Titel; ll Disinganno delle principali noti- zie ed erudizioni delle Arti del Disegno etc., s. den Art. David), das Manuskript geblieben ist. Hier war zuerst das alte Mährchengewebe inso- fern zerrissen, als David umgekehrt zu beweisen suchte, dass O. aus edlem und begütertcm Hause gewesen sei. Diese neue Fabel, weiche nur die Rückseite der alten war, wurde von Gherardo .Brunorio aufgenommen und in einem Briefe ver- öffentlicht, der zu Bologna 1716 gedruckt wurde. Derselbe fand dann weitere Verbreitung durch Taecolfs Memorie Storiche dYReggio (s. in der Literaturangabe) , darin sich jener Bericht mit geringen Abänderungen unter dem Namen des Abbate Carlo Talenti wieder abgedruckt findet. Auch der bekannte Sammler und Kenner Pierre Crozat beschäftigte sich am Anfange des Jahrh. iviel mit dem Leben Correggids und sammelte lMaterialien dazu. Doch kam die Schrift, die er iim Sinne hatte, nicht zu Stande. Ihnen folgte Rafael Mengs, und mit ihm begann nun, verbunden mit kritischer Forschung, das eingehende Studium des Meisters. Es ist schon oben bemerkt, wie bezeichnend es ist, dass gerade Mengs diese Arbeit übernahm; ein Ma- ler, weniger bedeutend durch sein Talent als durch seine Bildung nach den grossen Meistern und die Erneuerung dieser Vorbilder, und S0 recht zwischen der ablaufenden und (ler neu an- hcbenden Periode mitten inne stehend. Von den alten Irrthümern ist allerdings mancher, z. B- derjenige der zweifachen Ehe, in seine Schrift übergegangen. Allein gegen die überlieferten