762 IAGOBVS. Nr. 1826. Br. 14 Z. 8 L. Dieser Jacobus ist derselbe, der sich auf der oben gegebenen Tafel nennt. Der Holzschnitt mit diesem Namen stellt die auf dem Throne Sitzende Madonna mit dem Kinde auf dem linken Arme vor. Der Thron ist architektonisch reich geziert, und in den Feldern sind Darstellungen aus der Passion eingeschnitten. Links steht St. iRochns und rechts St. Johannes. Der Zeichner nennt sich BENE- DICTVS, worunter Benedetto Montagna verstanden wird. H. 18 Z. 2 L. Br. 14 Z. 7 L. Bei den alten italienischen Schriftstellern finden wir über diesen Formschneider Jacobus keinen sicheren Anhaltspunkt. Bumaldi (Mi- nervalia, Bononiae 1611-1 p. 249) zählt indessen neben Augustinus und Arduinus einen Jacobus zu den 1512 lebenden berühmten Form- schneidern (Ligni incisores admimndiQ und dieser J acobus wird unser Meister seyn. Dann kam der um 1500 in Venedig lebende Kaufmann Anton Kolb von Nürnberg mit einem Jacobus in Berührung. Kolb liess auf seine Kosten einen aus sechs Holztafeln bestehenden Prospect von Venedig fertigen, und im Oktober 1500 war das Werk vollendet. Oben in der Mitte thront Merkur mit dem Caduceus in einer Wolken- glorie, und umher befindet sich die Inschrift: MERUVRIUS PRECE- TERIS HVIC FAVSTE EMPOBIIS ILLVSTRO, und darunter VENETIE M.D. (1500). Weiter unten erscheint Merkur auf dem Rücken eines Delphin, und an seinem Dreizack hängt eine Tafel mit der Inschrift: AEQVOBA TVEIVS PORTVRESIDEO IVEPTVZV VS. Umher bezeichnen acht Köpfe die Hauptwinde. Dieser sehr grossc Prospekt ist historisch und artistisch merkwürdig, wir können ihn aber dem Jacobus von Strassburg nur muthmasslich zuschreiben, obgleich zu jener Zeit kein Künstler in Venedig lebte, welcher im Stande gewesen wäre, einen solchen Plan auszuschneiden. In neuester Zeit wurde er dem Jakob de, Barbary zugeschrieben, doch könnte nur die Zeichnung von diesem Meister herrühren, und nicht der Schnitt. Wir haben unter I A-DB mit dem Schlangenstahe dazwischen No. 1842 ausführlich darüber ge- handblt, und verweisen daher im Uebrigen auf jenen Artikel, welchen Jakob de Barbary, der Meister mit dem Schlangenstabe (Le Mailre au Caducäe) behauptet. Der Name des Jacobus von Strassburg kommt nur auf den oben genannten Holzschnitten vor. Der eine derselben, die satyrische Dar- stellung mit der Inschrift ISTOBIA ROMANA, veranlasste den Abbe Zani, einen Maestro al compasso zu schaffen, welcher nach seiner Angabe 1503 gearbeitet hat. Blätter von der Hand des Meisters mit dem Zirkel nennt er nicht, die Zeitbestimmung kann er aber aus der Inschrift des langen Frieses mit dem Triumphzuge des Julius Cäsar geschöpft haben. Den Zirkel fand er auf dem satyrischen Blatte mit der sonderbaren römischen Geschichte, und dieses enthält zugleich auch den Namen des Formschneiders. Der Meister mit dem Zirkel (al com- passo), von welchem Zani spricht, ist also unser Jacobus von Strassburg. Im Künstler-Lexicon VI. S. 400 haben wir Holzschnitte von der Hand des Jacobus beschrieben, wir streichen aber jetzt N0. 2, das grosse, aus 16 Blättern bestehende Formschnittwerk mit dem Einzugs des Kaisers Karl V. in Bologna 1529. Es erschien 1530, in einer Zeit, in welcher Jacobus wohl nicht mehr gelebt hat. Damals trat Domenico dalle Grecche auf den Schauplatz, und vervielfältigte grosse Compositi- onen von Tizian durch den Holzschnitt. Der Meister Jacobus ist aber in Venedig der erste, welcher grosse Holzplatten ausschnitt. Ihm gegen- über steht Zoan Andrea Vavassore Guadagnino, der Meister I A N0. 1775, dieser pflegte aber den Metallschnitt, wie aus vielen venetianischen Druckwerken aus dem Ende des 15. und aus dem Anfange des 16. Jahr-