107. steht, ist ein "Hortulus animae" auf der erwähnten kaiserl. Bibliothek. Es ist eine mit calligraphischer Pracht ausgestattete Abschrift von Sebastian Branüs im Jahre 1510 bei S. Flach in Strassburg gedruckten Uebersetzung dieses Werkes. Die Schrift und die zahlreichen Minia- turen nahmen etliche Jahre in Anspruch, und somit fallt die Voll- endung nach 1515. Einige Compositionen wiederholen sich im Hor- tulus und im Breviare. Früher als diese beiden Gebetbücher sind die Miniaturen einer vortrefflichen Handschrift des brittischen Museums, welche im Besitze der Königin Isabella. von Castilien war. Die Ent- stehung ist zwischen 1496-1504 zu setzen. Nach Harzen wäre noch manches vortreffliche Werk Horeboutis zu nennen; als eines seiner ausgezeichnetsten darf jedoch ein Psalterium und Ofücium in drei Folio- bändcn der Vatikanischen Sammlung nicht übergangen werden. Es ist- an Schönheit und Zahl der Miniaturen dem Breviar kaum nachstehend. Ueber ein wunderschönes illustrirtes Gebetbuch im neuen bayerischen National-Museum werden wir am Schlüsse dieses Artikels bei Gelegen- heit zweier Oelbildchen handeln. Bei einem so ausgezeichneten und zugleich so produktiven Künst- ler ist vorauszusetzen, dass er zahlreiche Schüler gebildet, und eine Anzahl Mitarbeiter gehabt habe. Zuerst wird seine Tochter Susanna genannt werden müssen. Als Mitarbeiter am Breviarium Grimani wird Lieven von Antwerpen, muthmasslich L. de Witte, genannt, über welchen wir unter A W. I. N0. 1498, und im Anhange I. No. 2584 gehandelt haben. In den Randverzierungen nennt sich zweimal ein Joachim Oldeho oder Oldehone. Zu Horebontis Schülern muss nach Harzen auch Simon Bening (auch Beninc, Benic, Bering 8m.) gezählt werden. Der genannte Schriftsteller vcrmuthet darunter den Simon Portugalees (Portugaloys), welcher A. Wauters zufolge 1504 bei Gos- win van der Weyde in die Lehre trat, und sich erst später unter Horebout ausgebildet haben müsste. Der Name Bening kommt wenig- stens im Register der St. Lucas-Gilde (Liggere) zu Antwerpen nicht vor, sondern nur" Simon Portugaloys. Ein Meister Simon wurde aber zu den vornehmsten Illuministen Europe's gezahlt, und diese ist wahrscheinlich der Portugiese. Er wird als solcher in einem von A. Raczynski (Les Arls an Portugal p. 55) erwähnten Manuscripte des Franz de Hollander von 1548 gerühmt. Letzterer war der Sohn des Anton von Holland, oder des Anton de Moor, welcher als Maler in Diensten des Königs Emanuel von Portugal stand, und daselbst Anto- nio de Hollanda genannt wurde. Franz der Holländer wurde in Por- tugal geboren, war Zeichner, Maler in Oel und Miniatur, Modellem- und Architekt, und wird daher genaue Kunde über die älteren Künst- ler seines Faches gehabt haben. Er spricht aber in seinem Manu- scripte nur geradeweg von einem Meister Simon, welcher unter den Flamandern am zartesten malte, und besonders die Baume und Fernen meisterhaft darstellte. Guicciartlini nennt aber speziell den Simone Beninc grandissinto maistro nel miniare. Es frägt sich nun, ob dieser der Simon Portugaloys Sei, welcher 1504 bei G. van der Weyde in die Lehre trat. Gewiss ist jedoch, dass der Portugiese ein tretflicher Miniaturmaler war. Im brittischen Museum sind Arbeiten von ihm, welche nach Harzen zu den ausgezeichnetst-exi und prachtvollsten ge- hören, die man nur sehen kann. Sie bestehen in eilf sehr grossen Blättern mit dem Stammbaume des königlich portugiesischen Hauses in verschiedenen Stadien der Vollendung. Die Vorstellungen sind mit unzähligen Bildnissen und Episoden von Schlachten, Aufzügen 859, reich geschmückt. Nach Raczynski 1. c. p. 209 wurde dieses Werk um 1530 auf Bestellung des Infanten Don Fernando unternommen,