1038 GEB. 2508. Gallien. Den Meister H. Holbein nennt er Hansus Vlbius, und auch aus dieser Verstümmlung schliesst nun Sotzmann zunächst, dass Bor- bonius den Namen Reperdius aus Reverdinus geschöpft habe, so ungefähr, dass er sich Reverdius dachte, wobei der Umlaut v in p allerdings nicht sehr befremden könnte. Wenn nun eine solche Meta- morphose bei dem Franzosen N. Borbonius als möglich gedacht wird, so müsste er den Taufnamen Georg vollkommen erfunden haben, da die Abbreviatur CE vor dem Gcschlechtsnamen Reverdinils nicht auf Georg passt. Wir glauben aber vielmehr, dass Borbonius wirklich einen Maler Georg Reperdius persönlich gekannt habe, denn er lebte zu jener Zeit in Lyon, wo Holbcinls Todtentanz, und die „Ic0nes veteris testamenti" soeben erscheinen sollten. Bei dieser Gelegenheit machte er dem Holbein durch den rhetorischen Vergleich mit Zeuxis und Parrhasius ein grosses Compliment, und es ist nicht zu denken, dass er daran einen zweiten Künstler hätte Theil nehmen lassen, nämlich einen gleichzeitigen Lyoner Maler, der nicht als historische Person allgemein bekannt gewesen wäre. Wir müssen also den Georg Reperdius festhalten, als Maler, nicht als Forrnschneider, wie Fiorillo in der Gechichte der Malerei in Deutschland IV. S. 145 sich glauben machen will. Es lässt sich zwar kein Malwerk von der Hand des- selben nachweisen, allein dieser Umstand beweiset auch nicht, dass nie eines vorhanden war. Sollte aber Borbonius seinen Georg Reper- dius wirklich aus Reverdinus heraus latinisirt haben, so haben wir anstatt eines, zwei Künstler des Namens Reverdinus, da auch der Kupfer- stecher gleichzeitig ist. Die Jahrzahl 1531 auf einem seiner Blätter gibt die Blüthezeit.des Meisters an, und der Georg Reperdius des Dichters N. Borbonius muss zwischen l530-'l540 in Lyon gelebt haben. Auf ihn ist vielleicht ein aus GB oder GRF bestehendes Monogramm zu deuten. Als Geburtsstadt des Cesare Reverdino nennt man Padua, Venedig und Bologna, wir finden aber keinen Grund für diese Annahme. In seiner früheren Zeit scheint enwenigstens in Italien gearbeitet zu haben, denn einige Blätter tragen die Adressen römischer Kunst- händler, doch sicher nur in späteren Abdrücken. Der Tanz von Kindern, B. N0. 38, hat die Adresse: Romae Am. Lafrcri 1570, und dann: J. Orlandi formis romae 1602. Reverdinus war sicher 1570 nicht mehr am Leben, und hatte den Rest seiner Jahre höchst wahr- scheinlich in Frankreich verlebt, im Kreise der Meister von Fontaine- bleau, da er mehrere Blätter nach Rosso, Primaticcio und anderen italienischen Meistern derselben Richtung gestochen hat. Auch nach eigener Composition arbeitete er Platten aus. Daher erklärt sich wohl, dass die Zeichnung in seinen Blättern nicht von gleicher Cor- rektheit ist. Sie sind nicht so fein und miniaturmässig, wie jene der gleichzeitigen deutschen Kleinmeister, sondern nach italienischer Art, in einer freien, weniger mühsamen Weise behandelt, welche Bartsch in die Mitte zwischen Agostino Veneziano und Giulio Bonasone setzt. Bartsch P. g". XV. p. 466 H. beschreibt 39 Kupferstiche, und im Anhange weitere 12 Blätter, von denen es zweifelhaft ist, ob sie ihm angehören. Ungefähr 10 andere bel Zani, Malaspina di Sannazaro, Cicognara und Brulliot sind ihm entgangen, und daher haben wir im Künstler-Lexicon XIII. p. 58 if. die Anzahl derselben auf 50 gebracht. Hier geben wir einen Anhang. 1) Die Hirten, welche zur Anbetung des Jesuskindes heran- kommen. Maria sitzt links vorn mit auf dem Schoosse sitzenden Kinde, und ein Hirt küsst diesem die Füsse. Im Grunde sind zusammenhängende Gebäude im römischen Style. Unten in der Mitte,