782 BERN. 1803. Umbrischen Schule haben wir im Künstler-Lexicon XI. S. 328 einen ausführlichen Artikel gewidmet, und zwar auf den Grund der neueren Critiker, an deren Spitze Baron von Rumohr steht. Das Hauptwerk über Pinturicchio in italienischer Sprache ist jenes von G. B. Vermi- gliolo: Di Bernardo Pinlur-icchio Pittore Pcrugino. Perugia 1837. Mit dem Bildniss des Künstlers. Er zeichnete in obiger Weise einige Gemälde, gewöhnlich mit Beifügung der Jahrzahl. So ist auf dem schö- nen Bilde des Jesusknaben im Tempel in einer Capelle des Domes zu Spello die Jahrzahl MDGCCCCI beigesetzt. In diesem Gemälde brachte Bernardo sein eigenes Bildniss an, und documentirte es durch den Namen. Man nimmt gewöhnlich an, der Künstler habe den Beinamen Pin- turicchio von seiner kleinen Gestalt bekommen, so dass wir im Deut- schen "Malerlein" sagen müssten. Allein damit stimmt das Wort Pictoricus nicht, welches eher auf eine grosse Handfertigkeit und tech- nische Bravour deutet. Und wirklich bemerkt man in seinen späteren Werken ein gewisses handwerksmässiges 'l'reiben, welches er wohl den Gesellen nachsah, da ihn der Gewinn leitete. Seine früheren Werke bieten aber grosse Vorzüge, und sind Erzeugnisse eines gesunden, frischen Lebens. Es gehören ihm indessen nicht alle Bilder an, die ihm zugeschrieben werden. Er hatte einen Zeitgenossen, welcher sich ebenfalls Bernardino Perngino nannte, wie dies aus den Notizen "bei Vermiglioli erhellet. Dieser Schriftsteller fand seiner in Docu- menten von 1498-1524 erwähnt, und er zahlt Werke auf, welche dem zweiten Bernhard von Perugia angehören. Die Bilder dieser beiden Meister sind aber nicht sehr schwer zu unterscheiden. Pinturicchio offenbaret selbst in seinen schwächeren Werken noch mehr Sorgfalt und Eleganz der Zeichnung, eine grössere Anmuth der Bewegung und Feinheit der Charaktere in den Köpfen, als sein Zeitgenosse. Die Köpfe in Pinturicchio's Gemälden haben immer Aehnlichkeit mit jenen des Pietro Perugino, der Gegenfüssler steht aber diesem Meister fern. Das Colorit des Letzteren ist eintönig und geht in's Braune, Pinturic- chio's Gemälde sind dagegen von frischer, klarer, ja brillanter Färbung. i Der vor einigen 1803. ANO DNI MCLCCLXVIII. ,a„,en versmbene Ilgupfästeäher und uns än erMetz- QVEM. FLORENTIJE FINSIT. ge, in Florenz be_ sass nach Brulliot III. p. 159 einen Hausaltar mit Malereien, deren Verfertiger sich Bernardus nennt. Metzger erkannte darunter den Bernardo Orcagna, anscheinlich den Bruder des Andrea, über welchen wir, sowie über dessen Familie, unter "ANDREAS CIONIS" Nach- richt gegeben haben. Man weiss jetzt mit Sicherheit, dass Andrea 1376 starb, und somit konnte sein Bruder Bernardo ihn nicht um viele Jahre überlebt haben. Von diesem kann also das Altärchen nicht herrühren. Andrea di Cione, welcher irrig Orgagna genannt wird, hatte aber einen Sohn, Namens Bernardo, doch kann auch dieser Meister den Altar nicht gemalt haben, da er 1468 fast 100 Jahre alt seyn musste. Ein dritter Maler, Namens Bernardo, ist in der Familie Cione nicht bekannt, und somit fallt Metzgefs Bernardo Orcagna von 1468 weg, wenn die Jahrzahl bei Brulliot richtig gegeben ist. Es steht indessen N0. 69, wo dieser Schriftsteller über Andreas Cionis handelt, 1457 statt 1357, und somit könnte MDCCCLXVIII zu setzen seyn. In diesem Falle würde Bernardo di Cione, der Bruder des An- drea di Cione, eintreten.