756 BBA. 1720. Tapeten mit obigem Schilde stellen eilf Scenen aus dem Leben des hl. Paulus dar, und sieben andere geben die Planeten in Abbildung. Die Geschichte des Apostels Paulus erinnert im Style an Martin Heemskerk, und somit ist der Schild mit b b wohl das Brüsseler Fa- brikzeichen. Für Heemskerk könnte ein zweites Monogramm sprechen, in welchem sich ein h zeigt, aber nur muthmaasslich ein M. Die ge- nannten Tapeten wurden nicht in München gefertiget, sondern kamen aus den Niederlanden. Die Zeit der Entstehung fallt zwischen 1570 bis 1600. Zehn Stücke aus der Geschichte des hl. Paulus besass der Herzog Ferdinand, nach dessen Tod (1609) sie der Churfürst Maximi- lian kaufte. Zu 463 Brahanter Ellen berechnet, wurde die Elle mit 272 Gulden bezahlt. Gegenwärtig werden die alten Tapeten aus der Zeit dieses Ohurfürsten in den k. Schlössern aufbewahrt. Zu Anfang unseres Jahrhunderts waren noch 56 Stücke wohl erhalten. Brüsseler Fabrikate bezahlte der Churfürst im Durchschnitt mit 56 60 Gulden die Elle. In seiner eigenen Manufaktur kam ihm die Elle ungefähr auf 50 Gulden zu stehen. ÜZÜ. Baocio Bandinelli, Bildhauer von Florenz, ist derjenige Meister, welcher hier den Stoff zur Erörterung liefert, BB aber wohl nur in Folge einer Satyre, welche seine Zeit- genossen über ihn ergossen. Er war bekannt als an- massender, sich sehr überschätzender Künstler, und daher zahlte er unter seinen Kunstgenossen viele Feinde. Tizian zeichnete ihn be- kanntlich als grossen Affen in der Stellung des Lokoon, wie er mit zwei jungen Aiiien von der Schlange umwickelt wird. Auch sein Bild- niss scheint nur zum Spotte gestochen worden zu seyn, indem sich durch die Oelihung des Unterkleides in der Bauchgegend ein hass- licher, ja eckelhafter Auswuchs zeigt. Nach der gewöhnlichen Angabe starb Bandinelli, auch Brandini genannt, im Jahre 1559, in einem Al- ter von 72 Jahren. ,Das Blatt mit obiger Bezeichnung stellt den Baccio Bandinelli in seinem Atelier vor, Kniestück nach links, aber der Kopf en face. Er fasst eine von dem Boden aufstehende Statuette am Kopfe, und bedeckt diesen durch seine bauernmässige I-Iand, während er mit den Fingern der andern Hand die Proportionen des Körpers zu messen scheint. Links oben in der Fensteröüinung bemerkt man eine stehende Figur zwischen zwei Rumpfen, und rechts unten stehen zwei andere Figuren auf Basen, welche aber aus Brettern gefertiget, oder gemalt zu seyn scheinen. Das am Bauche halb offene Gewand des Künstlers lässt einen monströsen Auswuchs hervortreten. Links unten in der Ecke stehen die Buchstaben BBAF, welche nicht „Baccio liandinelli Fecit", sondern „B. Bandinelli Artista Fiorenlino" bedeuten dürften, da der Stich nicht von Bandinelli, sondern von Nicolo de la Casa zu seyu scheint. H. 10 Z. 7 L. Br. 8 Z. Brulliot II. No. 226a spricht von demselben Bildnisse, bemerkt aber, dass die Buchstaben BBAF an der Basis der Statuette stehen. In diesem Falle hätten wir ein zwei- tes Bildniss des Bandinelli, wenn nicht eher von dem Stiche mit dem Namen des Nicolo de la Casa. die Rede ist. In diesem Blattc ist das Kniestück des Bildhauers nach rechts gerichtet, und das Fenster, auf dessen Brüstung (118 erwähnten plastischen Werke stehen, ist rechts oben. Links von der Figur bemerkt man eine be- kleidete und eine nackte Figur auf Basen stehend, und am Plint-hus der Statuette, welche Bandinelli halt, liest man: N. D. LA. CASA. Unter den beiden links angebrachten Standbildern ist die Adresse: ANT. LAFRERI R., aber so, dass durch eine über A angebrachte