410 AMB. 941. grossen, reich verzierten Portikus dar. Zu ihrer Linken steht S. An- gelo mit dem durch den Kopf gehauenen Schwerte, und Johannes der Täufer tritt etwas weiter vor. Zu den Füssen S. Angelo's liegt ein altes Männchen, dessen Daseyn folgende Schrift erklärt; BELLINCA- RIVS QVI IVSSIT SAN ANGELVM GAR. OCCIDI. 1500. Rechts des Blattes sieht man St. Albert und St. Hieronymus, welche die C0mpo- sition abschliessen. Auf einer Tafel über dem Portikus steht: OPVS. FRIS. IO. MARIAE. BRIXIENSIS. ORD. CARMELITAE. Am Haupt- friese des Portikus liest man: GENERREQVIEVIT AB OMNI OPERE QVOD PATRARAT. H. 10 Z. 2 L. Br. 7 Z. 4 L. Dieses sehr sel- tene Blatt ist von schönem Charakter der Zeichnung, und fein gestochen. Nur einige Stellen sind mit etwas stärkeren Strichen übergangen. Das Ganze gleicht in dem von Frenzel beschriebenen Exemplare einer braun getuschten Zeichnung. Ein Blatt von 1502, welches Bartsch XIII. p. 312 beschreibt, hat die Gerecltigkeitsliebe des Kaisers Trajan zum Gegenstands, und wird von Huber III. S. 52 unter dem Titel eines "Wunders des hl. Gregor zum zweiten Male aufgezählt. Die Composition ist einer Erzählung des Paulus Diaconus entnommen. Eine Wittwe klagte beim Kaiser den Mörder ihres Kindes an, und dieser war Trajaifs Sohn. Der Vater liess aber Recht ergehen, was die Römer durch ein Denkmal der Welt verkündeten. Eines Tages betrachtete St. Gregor das auf dem Forum angebrachte Basrelief, welches diese Scene vorstellte, und er iiehte zu Gott, dass er diesen Heiden-Kaiser vor der Hölle erretten möge. Anf dem Blatte des Gio. Maria da Brescia sieht man aber den betenden Papst auf dem Balcone, und neben ihm steht: DIVVS GREGORIVS. Der Kaiser erscheint zu Pferd in reicher Rüstung, und wendet sich gegen den jungen Mann neben ihm. Das arme Weib ist mit dem todten Kinde in den Armen vor dem Kaiser niedergesunken. Am Friese des Balcons liest man: INCORRVPTAE IVSTITIAE SEMPITERNVM EXEMR, und weiter nach links: FOR. TRAIANI. Auf den Künstler bezieht sich folgende Inschrift: OPVS. FRß. I0. MARIAE. BRIXIEN- SIS. OR. CARMELITARVM. MCCCCCII. H. 12 Z. Br. 8 Z. 4 L. Man kennt nur wenige Exemplare. Das Blatt von 1512 stellt die hl. Jungfrau mit dem Kinde in halber Figur von Wolken umgeben dar. Links zu ihrer Seite ist Elias auf dem Wagen, und rechts ein Engel neben dem Altare, an welchem das Wort ENOCH steht. Rechts unten ist St. Hieronymus, links St. Jo- hannes, und in der Mitte sieht man drei Carmeliter. Ganz unten ist die Inschrift: DEO MAX. BEATISS. THEOLOGO ALIISQ. CAELICO- LIS AG HELIAE CAPREOLO AMICO CARISS. FR. I0. MA. BRIX. QARMELITA. MDXII. H. 12 Z. 2L. Br. 8 Z. 6 L. Gio. Maria malte In seinem Kloster die Geschichte des Elias und Elisa, und somit dürfte (las genannte Blatt, welches Bartsch nicht kannte, eine der Composi- tionen aus demselben erhalten haben. Huber III. S. 52 führt diese Darstellung zweimal auf, wie Heinecke irrig mit der Jahrzahl 1502. Auf keinem dieser Blätter kommt obiges Zeichen vor. Man findet es nur auf einem Kupferstiche des Gio. Antonio da Brescia, B. XIII. p. 328 N0. 19. Dieses Blatt stellt vier tanzende Kinder vor, und ein fünftes, welches die Trommel schlägt. Ausser dem Zeichen trägt es auch die Abbreviatur: 10.4. BX. H. 7 Z. 10 L. Br. 4 Z. 2 L. Es fragt sich nun, ob die oben erwähnten Blätter von dem Carmeliter selbst gestochen sind, oder ob nicht vielmehr nur die Composition von ihm herrühre. Die Blätter sind im Stiche ungleich; wir wissen aber durch Passavant (Deutsches Kunstblatt 1850 S. 301), dass gerade Gio. Antonio da. Brescia den Grabstichel so verschieden geführt habe, dass man ihm