DÜRER. 350. 207 als in früheren Tagen. Sebastian von Rotenhan ist unter einer reich- verzierten Halle nach rechts gewendet, ganz geharnischt, aber mit der Haarhaube bedeckt. Mit dem rechten Beine kniet er, und stützt die rechte Hand auf das Wappen mit Sternen und Sehrägbalken. Auf dem Zettel zu seinen Füssen steht der Wahlspruch: gmüüt asmmiu, und vor ihm steht die Helmzierde mit dem krähenden IIahn. Auf der Fahne in der Linken des von Rotenhan liest man: Virtuti Gloria. Ueber dem in der Luft schwebenden Weihe steht: Sophia, und unter der Weisheit in einer Tafel: 0 Alma Thosis Pfer LumE Cecis. Oben an der Aussen- seite der Bogenhalie steht: Rolenha-ni Misticum. Die oberen Ecken sind mit Laubwerk und 'l'rauben verziert. H. 8 Z. 2 L. Br. 5 Z. 11 L.- Der Verfertiger dieses Bildnisses ist ilicht bekannt, da man den A. Dü- rer für, denselben nicht halten kann. 150) Eobantis Hess, halbe Figur nach links mit starkem Barte und einem breiten Hute, wie er die -Hände zusammen legt, und in der Linken eine Rolle hält. Hinter ihm reicht eine Brüstung herauf, so dass er an der Mauer zu stehen scheint. Ohne Zeichen. H. des Bildes 4 VZ. 9 L. Br. 3 Z. 6 L. Dieses Blatt hat im vollkommenen Zu- stande oben in drei Zeilen eine Inschrift: EUBANI) HESSO POE l tae Clarissimo qui obiit Anno domini M. D. I XXXX Etatis Suc LI. S. R. Ioannes Gigas. Arend und Schober halten sonderbarer Weise das Bild- niss für Kupferstich, und schreiben es dem A. Dürer zu. Knorr, Heinecke und IJÜPÜI reihen das Blatt den Holzschnitten des Künstlers an, und Heller N0. 2172 zählt es unter den zweifelhaften Arbeiten des- selben auf, aber, wie es scheint, ohne das Portrait selbst gesehen zu haben, da er die Inschrift nicht angibt. Es ist sehr sicher und geist- reich geschnitten, vor vielen anderen Blättern dieser Art eines Dürerls würdig. Doch kann es nicht von ihm herrühren. Eoban Hess war bei dem Tode des Meisters 38- 39 Jahre alt, das Portrait zeigt aber entschieden einen Fünfziger. Es wurde also höchst wahrscheinlich erst 1540 zum Andenken des Plohanus gefertiget. Die Inschrift wurde aber gewöhnlich abgeschnitten, um die Jahr-zahl 1540 zu beseitigen. Auch das Exemplar, welches uns vorlag, war oben beschnitten, so dass wir die Höhe mit der Inschrift nicht angeben können. 151) Ulrich Varnbuler, Brustbild nach rechts 1522. B. N0. 155. H. 16 Z. Br. 12 Z. Die ersten Abdrücke dieses meisterhaften Blattes sind die schwarzen, jene in Helldunkel von drei Platten die späteren. In den meisten Exemplaren letzterer Art zeigt sich bereits ein Platten- sprung, welcher links durch den Besatz des Kleides bis an die Brust reicht. Die von Heller S. 744 nach Heinecke erwähnten Abdrücke aus dem Verlage des H. Hondins haben folgende Unterschrift: Men eint se te coope by Hendrick Hondius Plaetsnyder in's Gravenhage. In Holland wurden wahrscheinlich auch die Helldunkel gezogen. B. v. Rumohr (Zur Gesch. u. Theorie S. 87) erklärt dieses Bildniss als eigenhändiges Werk Dürer's im Formsehnitt. Es ist, obwohl eines der spätesten Blätter, dennoch in den Strichlagen höchst unregelmässig. Der Künstler hatte allein den Gegenstand, durchaus keine xylographische Methodik im Auge; nach v. Rumohr gerade das Gegentheil einer Menge von 1511 bis zu Dürer's Ende ausgegebener und von ihm bezeichneter Holz- Schnitte. Die Behandlung ähnelt eben durch ihre verstandvolle Un- regelmässigkeit und Nachlässigkeit jener in der Gefangennehmung Christi der grossen Passion, was in Ansehung des Zeitabstandes für Baron von Rumohr von doppeltem Gewichte ist.- August Küntzel hat dieses Bildniss mit der Feder auf Stein copirt: Sechs der schönsten und sel- tensten Holzschnitte von A. Dürer. Berlin 1832, gr. fol. ET