184 DÜRER. 350. der Dürerischen Holzschnitte mit oder ohne Text zu bestimmen. Wenn gleich die Ausgabe mit Text grössere Unkosten verursachte, so konnte es dem Meister doch gleich seyn, die Bilder allein hinzugeben, viel- leicht zu geringerem Preise, da er mit Text die in jener Zeit nicht unbedeutende Summe von drei Gulden verlangte. Auch ist es kaum zu glauben, dass die Textausgabe so gering war, dass er zuletzt zur Befriedigung der Nachfrage die Bilder für sich abdrucken musste. Beide Abdrücke sind aber gleich vorzüglich, jene ohne Text noch reiner und schärfer, nicht so fett und schwarz, als gewöhnlich die mit den Versen des Chelidonius. Der Buchdruckerpresse hat sich beim Bild- druck Dürer wohl nicht bedient, und man ist berechtiget, ihm die Er- Findung einer eigenen Presse zuzugestehen. In diesem Falle musste er auf einen hinlänglichen Vorrath von Abdrücken für den Buchdrucker bedacht seyn, und es ist kaum zu laugnen, dass dieser grösser war, als der Bedarf zum Drucke der Passion mit Text. In diesem Falle mussten Exemplare mit den Bildern allein vorhanden seyn, und wenn nicht eine neuere Papiersorte, oder andere Zufälligkeiten eines späteren Druckes vorhanden sind, so kann man wohl annehmen, dass die Aus- gaben ohne Text erster Art sind. Die Abdrücke alter Blätter sind aber nie durchgehends gleich. Desswegen findet man auch Exemplare mit Text, welche weniger klar, schwarzer oder schwächer im Tone sind, als andere. Dass die Holzplatte unmittelbar vor dem Einlegen in die Buchdruckerpresse abgezogen wurde, um das weitere Einsprengen mit Wasser zu verhüten, können wir nicht glauben. Ueber eine Druck- Varietät des Blattes mit der Vertreibung aus dem Paradiese B. 18, s. oben N0. 56. Heller beschreibt verschiedene Copien nach den Blättern der kleinen Passion, das Verzeichniss derselben lasst sich aber noch vermehren. In neuester Zeit schnitt C. Deis in Stuttgart diese Darstellungen meisterhaft nach. Unten N0. 90 machen wir auf diese Copie aufmerksam. Andere Copien sind in folgendem Werke: Die Episteln und Evangelien mit Summarien, Gebeten und Sprüchen dcc. Mit 84 Holz- sehnitten. Berlin, evangelischer Kirchenverein 1852.- Die Grablegung Christi, B. 44, copirte E. Sotain für Llistoire des peintres de toutes les ecoles par Ch. le Blanc. H. 4 Z. 8 Z. Br. 3 Z. 6 L. 84) Die kleine Passion in der Original-Folge, Venediger Ausgabe unter dem Titel: La Passione 1 Di N. S. Gieso Christa I D'Alberto Dv- rero I Di Norimbergo. i Sposta in ottave rime de P. R. Mauritio Moro etc. In Venetia M. DC. XII. Auf diesem Titelblatte ist auch das Bildniss Dürefs, ein schlechtes Produkt des Grabstichels, nicht jenes, auf wel- ches Heller No. 1958 verweiset. Auf Blatt A. 2. steht die Dedication an den schon auf dem Titel genannten Erzherzog Ferdinand von Oester- reich d. d. 7. April 1612, und unterschrieben von Donato Rasciotti. Auf der Stirnseite des dritten Blattes folgen zwei Sonette des M. Moro an den Erzherzog, und auf der Rückseite beginnen die Propositione, Invocatione aMaria Vergine, und enden auf der ersten Seite des vierten Blattes. Auf der Rückseite nehmen die Gedichte zu den gegenüber- stehenden Holzschnitten ihren Anfang. Jedes Gedicht nimmt eine Blatt- seite ein, und besteht aus drei achtzeiligen Strophen. Bartsch hatte die Holzschnitte der Venediger Ausgabe nicht gesehen, und scheint sie für Copien gehalten zu haben, weil er S. 121 die Copien No. 16, 17 u. 18 in die genannte Ausgabe versetzen möchte. Allein sie enthält Abdrücke der Originalplatten, und die Copien bei Bartsch gehören in die von Mommart veranstalteten Nachbildungen. Die Holzschnitte der Venediger Ausgabe weichen von der von Bartsch angenommenen Ordnung ab, nämlich N0. 17-20, 22, 23, 21, 24 32. Nach N0. 32 ist No. 31 wiederholt, von der darauffolgenden N0. 33 an ist aber die