352 Gemälde F071 15181 1520. unter den vielen Wiederholungen, welche von ihm vorhan- den, es dasjenige ist, welches Vasari als Original angege- ben hat. Treten wir nun vor dieses Bild und nehmen da- bei das Studium in Rothstein, welches die FlorentinerSammA lung besitzt, oder auch nur den Holzschnitt nach denlselben von Ilugo da Carpi zur Hand, so fallt es allerdings auf, dass sowohl Zeichnung und Bewegung schöner, das heisst lebendiger und einfacher in letzteren, als in der Ausfüh- rung gehalten sind; die Umrisse und die Modellirung im Studium nach einem sehr schönen Modelle zeigen den gan- zen Reiz einer zwar gesunden blühenden Jugend, aber ohne Übertreibung der Fülle und des Spiels der Muskeln, wie wir sie im Gemälde bemerken, und ohne die Verkürzung des rechten Fusses, welche eine Ansicht des obern und un- tern Theils desselben zugleich zeigt, was, wenn auch nicht unmöglich, doch keineswegs angenehm in der Wdrkung ist. Auch der Ausdruck des Kopfs hat nicht jenes Tiefe und Seelenvolle, welches wir bei Werken, die Rafael mit eige- ner I-land gemalt hat, zu sehen gewöhnt sind, sondern er hat etwas Übertriebenes und Starres. Den linken Arm darf man selbst schlecht in der Zeichnung, die Beine steif in der Behandlung nennen. Die Schatten haben übrigens sehr nachgedunkelt und mehrere Theile des Bildes gelit- ten, so dass nicht immer mit Gewissheit über deren ur- sprünglichen Werth geurtheilt werden kann. Indessen be- wahren noch einzelne, besser erhaltene Stellen unverkenn- bare Spuren von RafaePs Pinsel, namentlich der Körper, der überaus lebendig und meisterhaft modellirt ist; auch in der Färbung zeigt sich an verschiedenen Theilen noch das Glühende von RafaePs Carnation. Nach diesen Beobachtun- gen lässt sich die Theilnahme des Meisters an diesem Ge- mälde nicht ausschliessen, obgleich nicht zu verkennen ist, dass ein grosser Theil desselben von einem Schüler, viel- leicht von Giulio Romano und erst nach Itafaefs Tod aus- geführt wurde. Diese letztere Annahme gründet sich be- sonders auf die Überzeugung, dass Rafael kein Bild aus seiner Werkstätte würde haben ausgehen lassen, ohne dem