330 Bildnisse C071 15174 1519. menden aufs Beste zu empfangen, auch den Geringsten au- zuhören, keinen im Zorn oder Unwillen, sondern immer heiter und wo möglich befriedigt zu entlassen; seinen ei- genen Zorn, auch den heftigsten, in der Brust zu zügeln und zu verschliessen (einigemal wohl auch gelegentlich sich dessen zu erinnern); Bittenden nichts zu verweigern, sein Geld reichlich auszustreuen, und es so gering zu achten, dass, obwohl er verbannt und nicht reich war, er doch niemals bei Papstwahlen sich bestechen liess; kurz, er strebte, nur danach, für den Mildesten und Liebreiehsten gehalten zu werden, wodurch er denn auch bald die Her- zen der Väter und der neuen Curie erwarb. In schönen Künsten war er nicht unerfahren, aber mit vorzüglichem und anhaltendem Eifer trieb er llrlusik, und brachte viele Zeit seines Lebens damit zu, Andere zu hören, auch mit- unter selbst zu singen." Nun folgt kurz sein politisches und Kriegsleben, dann seine Tugenden als Papst, sein sorg- fältiges Ausfragen der Leute, die ihm bei seinen Jagden oder sonst begegneten, wo seine Milde gegen Arme, seine stete Humanität gerühmt wird. Denn seit seiner Erhöhung vergass er nicht seine früheren Freunde, wenn gleich er nicht allen nach ihrer Erwartung genügen konnte. Dieses sah Ariosto wohl ein, der ihn in Rom besuchte, vom Papst sogleich erkannt, aufgehoben und geküsst wurde. Allein in seinen Ilüflilllillgffll getäuscht, ersann Ariosto eine schöne Erzählung zu des Papstes Entschuldigung, worin man gleichwohl das gereizte Dichtergemüth erkennt. (Siehe Roscoe III p. Q4). Den Musiklehrern gab Leo X grosse Gehalte, ja manchmal war er darin verschwendrisch, und über- liess ihnen selbst einträgliche Pfründen. So dem spanischen Sänger Gabriele Merino das Erzbistlnlln Bari und dem Mu- siker Francesco Paolosa ein Arehidiaconat. Die Musik aber bezauberte ihn oft so, dass er ganz hinzusinken und ausser sich zu kommen schien. Die Jagd liebte er leidenschaftlich und hielt sich deshalb oft in hlagliana und Viterbo auf. Sein Urtheil über Geisteswerke war scharf und richtig; wenn ihm während der Mahlzeit Gedichte überreicht wur- den, vergass er Pissen und 'l'rinkei1 und las in Einem fort.